Modellflug
Inhalt
| 1 | Der Einstieg in die Modellfliegerei |
| 1.1 | Welches Modell? Wirtschaftliche Überlegungen |
| 1.2 | Das Modell - die fliegerische Betrachtung |
| 1.3 | Das Handwerk |
| 1.4 | Fortsetzung und Praxis |
| 1.5 | Das Zweitflugzeug |
| 1.6 | Das Drittflugzeug |
| 2 | Dynamischer Segelflug des Albatros |
| 2.1 | Effekte |
| 2.1.1 | Veränderliche Flügelpolare |
| 2.1.2 | Nutzung der Schwerkraft beim Wendemanöver |
| 2.1.3 | Ausnutzung der Geschwindigkeitsdifferenz in Folge der Bodenreibung |
| 2.2 | Der Flug |
| 2.2.1 | Die widerstandslose Betrachtung |
| 2.2.2 | Widerstände und Verlust |
| 2.3 | Kleines Fazit |
1. Der Einstieg in den Modellflug
1.1 Welches Modell? Wirtschaftliche Überlegungen.
Juli 2010: Es ist 10 Wochen her, da entschied ich mich zum Modellfliegen, einem lange gehegten Wunsch seit der Jugend. Keine leichte Entscheidung in gesetztem Alter. Forenteilnehmer drangen Anfänger dazu, keinesfalls alleine das Hobby zu betreiben (es gab natürlich auch Helden) – geschweige denn darin einzusteigen. Im Verein hingegen wäre man automatisch versichert und in bester Gesellschaft, um Tipps zu erhalten. Ich wandte mich also an einen Modellfliegerverein. Hier müssen doch die Profis zu finden sein. Und ja, mehr als man sich vorstellen kann. Mit verschiedensten Meinungen. Zunächst ging es ja nur um die Frage, welchen Flieger man sich als Anfänger anschaffen sollte. Meine Vorstellung war zunächst ein RTF (Ready To Fly) – Elektro-Motorsegler der 2-m-Klasse. Der wäre in Sachen Anschaffungspreis unschlagbar, da Sender, Empfänger, Servos, Motor, Regler, ja alles inklusive für rund 250€ zu haben gewesen wäre. Man belehrte mich, dass es besser wäre, einen klassischen Trainer mit Verbrennungsmotor anzuschaffen. Die gibt es als ARF-Modelle (Allready To Fly), d.h., der Flieger ist vollständig vorbereitet (mit Motor), allerdings ohne Sender, Empfänger und Servos. Und es solle unbedingt ein Hochdecker sein – wegen dem stabilen Flugverhalten. Dass solch ein Flieger wegen der Anschaffung der Sende- und Empfangstechnik sowie der Servos erst mal doppelt so teuer sein würde als der Motorsegler, war mir noch nicht bewusst, aber im Nachhinein muss man die Sache aus Sicht eines Einsteigers klarstellen. Der Motorsegler aus Styropor ist sehr leicht und damit windempfindlich. An so manchem Tag wäre damit Fliegen kaum möglich gewesen, während der Trainer robust und schwer genug für mittleren Wind ist. Das heißt, der Trainer erlaubte mir wesentlich mehr Flüge und damit mehr Übung. Und darum geht es doch schließlich. Zudem ging in den Preis des Motorseglers nicht ein, dass man für einen gemütlichen Nachmittag auf dem Platz auch einen zweiten oder gar dritten Akku benötigt, da die Motorlaufzeit üblicherweise unter zehn Minuten liegt – ein kurzweiliger Spaß. Und Akkus sind teuer. Die Anschaffung des Verbrenners rückte damit schon in ein besseres Licht. Eine Tankfüllung mit einem viertel Liter reicht bei meinem 6.5 ccm-Motor über eine halbe Stunde. Und was kostet dann schon ein Nachtanken. Der Umgang mit einem Verbrenner (Methanol) musste allerdings auch erst gelernt – und der Frust beim abschließenden Befreien des Fliegers von schmierigen Öl - überwunden werden.
Ein wichtiger Punkt bei meiner Wahl war zudem, dass ich die Komponenten (Sender, Empfänger, Akku, Spannungsregler, Servos) in andere ARF-Flieger einsetzen könnte, etwa, wenn es meinen aktuellen Flieger tatsächlich richtig zerlegen würde, während dies für besagte RTF-Segler mit ihrer mageren Sender / Empfänger-Kombination kaum interessant ist.
1.2 Das Modell – die fliegerische Betrachtung.
Fliegerisch muss man sagen, dass man zwar mit dem RTF-Motorsegler auf Grund seiner geringen Minimalgeschwindigkeit als Anfänger besser zurecht käme, aber noch mal sei gefragt: An wie viel Tagen wäre es auf dem windigen Flugplatz dazu gekommen? Letztlich geht es einem Anfänger darum, möglichst viel zu fliegen, um Sicherheit zu erlangen.
Freilich fordert die höhere Masse und Flächenbelastung des Trainers höhere Fluggeschwindigkeiten. Und das ist nicht einfach für einen Anfänger. Besonders bei einem recht schmalen Korridor zum Landen mit meist Seitenwind.
Die Entscheidung auf Raten eines Vereinskollegen, nicht einen Tiefdecker als Einstiegsmodell zu wählen, hat sich, so denke ich, gelohnt. Zwar habe ich noch keine Erfahrungen mit einem Tiefdecker, aber der Hochdecker hat mich in meinen ersten 10 Wochen schon vor genug Herausforderungen gestellt.

Calmato 40 (Kyocho): Spannweite: 1600 mm, Gewicht: 2,45 kg, Motor: 6,5 ccm, Prop.: 10x6
Mit dem Modellfliegen ist es so eine Sache. Einerseits helfen einem theoretische Kenntnisse über das Fliegen, um gewisse Fehler auszuschließen. So bei mir, während zwölfjährige Knirpse alle Fehler der Welt machen. Aber sie machen, sofern es ihr Modell nicht zu arg gebeutelt hat und die Väter als Geldgeber und Handwerker die Faust in der Tasche gemacht haben, weiter. Und immer weiter. Das bedeutet Übung, Übung, Übung! Dagegen lehne ich mich nach einigen gelungen Landungen erstmal gemütlich zurück.
Die Hilfe der Vereinskollegen war manchmal willkommen. Kommentare wie: „Du musst dort schon viel tiefer und langsamer fliegen!“ waren hilfreich. Kommentare kurz vor dem Einschlag auf dem Platz: „Zieeeeeh!“, waren nur bedingt hilfreich.
1.3 Das Handwerk
Und wie sieht es mit Reparaturen aus? Ich musste meinen Trainer bereits sechs Mal flicken. Ich gehe davon aus, dass ein besagter Fertig-Segler auch nicht weniger Außenlandungen hinter sich gebracht hätte. Mein Calmato 40 ist klassisch aus Sperr- und Balsa-Holz gefertigt. Diese Bauweise war mir als Einsteiger sehr entgegenkommend und lehrte mich im Umgang mit Holz, Kleber, Epoxid-Harz, Glasfasermatten und Bügelfolie. Vor Allem: Es gab immer eine Möglichkeit zur Reparatur. Mein Flieger ist nun nicht mehr der Schönste, wiegt vor lauter Kleber auch Einiges mehr, aber er fliegt noch. Ein Vereinskollege bot mir nach meiner ersten harten Landung die Reparatur an. Das war eine unglaubliche Erleichterung, die mir den Mut zu eigenen Reparaturen gab. Wie sich die verbale Unterstützung, die sich in einem Fall zwischen „da genügt Sekundenkleber“ und „das musst du mit Glasfaser und Epoxi neu aufbauen“ abspielte, auswirkt, muss ich erst noch selbst erfahren.
1.4 Fortsetzung und Praxis
Es ist Anfang August. Es musste so kommen. Dabei verweise ich voller Stolz darauf hin, dass es kein Steuerfehler war. Nach einem Fußmarsch von etwa 700 Metern fand ich das Modell immerhin ohne große Suchaktion, nachdem es in Messerfluglage und 30 Grad Neigungswinkel in Getreide "landete". Es reagierte nach dem Eindrehen in den Gegenanflug nicht mehr. Der 2S-Akku gab noch 3,3 Volt her, wie die anschließende Messung ergab. Damit will kein Empfänger mehr arbeiten.Der Verdacht einer defekten Zelle oder unteerbrochenen Verbindung liegt nahe.
Nun war die Entscheidung für einen Nachfolger angesagt. Zwei Meinungen treffen aufeinander: 1. Bleibe bei einem Hochdecker und wenn du mit Minimalkosten wieder zum Fliegen kommen willst, kaufst du den gleichen Flieger wie vorher. Dann sind alle Komponenten wiederverwendbar. 2. Eine andere Stimme riet mir, gleich den Tiefdecker des gleichen Herstellers zu kaufen. Auch hier könnte ich alle Komponenten wiederverwenden. Der Tiefdecker besitzt das gleiche Flügelprofil wie der Hochdecker (NACA 2415), auch die V-Stellung des Flügels ist nur wenig geringer. Der Hochdecker besitzt eine minimal geringere Spannweite (5 cm), dafür aber eine geringfügig tiefere Fläche, womit die gleiche Flügelfläche und somit Flügelbelastung gegeben ist. Der Rumpf ist etwas länger, das Seitenruder etwas größer, das Höhenruder identisch. Kann ich für das bei Tiefdeckern übliche, sensiblere Verhalten um die Längsachse wenigstens mit geringerer Seitenwindempfindlichkeit rechnen? Es heißt also: Hochdecker oder Tiefdecker?

Calmato 40 sports (Kyocho): Spannweite: 1550 mm, Gewicht: 2,8 kg, Motor: 6,5 ccm, Prop.: 11x6 
Die Entscheidung ist gefallen. Ich entschied mich für den Tiefdecker trotz meines Faibles für Hochdecker. Schließlich will ich meine fliegerischen Fähigkeiten steigern, d.h., will die Agilität eines Tiefdeckers beherrschen. Zunächst aber sollten 60% Expo auf dem Querruder für Beruhigung sorgen. Nun, alles war unspektakulärer, als befürchtet. Natürlich „geht“ mit dem Tiefdecker mehr, als mit dem Hochdecker. Während man den Hochdecker mit Schwung und etwas Geduld zur Rolle zwingen muss, tut dies der Tiefdecker einfach auf Querruderbefehl. Die Rollrate ist entsprechend gut.
Die Geschwindigkeit betreffend glaubt manch Beobachter, sie sei beim Tiefdecker höher. Ich halte dies angesichts gleicher Motorisierung und gleichen Propellers für unplausibel. Eindeutig ist jedoch, dass der Tiefdecker beim Landeanflug seinen Schwung langsamer abbaut. Ein früherer und flacherer Anflug ist da angesagt. Und was den Start angeht: Der Tiefdecker will nur schwer vom Boden abheben. Mann muss schon viel „ziehen“, wobei dann durch den großen Ruderausschlag die Gefahr besteht, gleich nach dem Abheben zu überziehen. Hier muss unmittelbar nach dem Abheben mit „Tiefe“ reagiert werde – natürlich, und das macht es etwas prickelnd, nicht zu viel und nicht zu wenig. Das Mehrgewicht des Tiefdeckers, real ca. 300 Gramm mehr als beim Hochdecker, macht sich angesichts des erstaunlich starken Motors aus dem Paket „Calmato 40 GX-40“ praktisch nicht bemerkbar.
Das sonstige Verhalten ist nicht schwerer zu herrschen, als bei einem Hochdecker. Speziell im Falle der Kyocho-Modelle „Calmato 40“ (Hochdecker) und „Calmato 40 sports“ (Tiefdecker) kommt bei Letzterem ein stabileres Verhalten um die Quer- und Hochachse zur Wirkung, soweit dies bei fast Windstille beurteilt werden konnte. Das ist auf die größere Hebelwirkung der betreffenden Ruder zurückzuführen und lässt ihn fliegen wie auf Schienen. Vorteilhaft ist auch die gelbe Unterseite von Flügel und Höhenleitwerk des Tiefdeckers, die die Fluglage deutlicher erkennen lässt.
Nach einigen Flügen kann ich sagen, dass ich meine Entscheidung zum Tiefdecker noch nicht bereut habe.
1.5 Das Zweitflugzeug
Möchte man einigermaßen Spaß an dem Hobby haben, ist ein Zweitmodell eindeutig von Vorteil, denn sonst könnte es sein, dass man bei bestem Flugwetter in der Werkstatt mit der Reparatur dieses einen Fliegers verbringt, statt auf dem Flugplatz - möglicherweise wochenlang.
So entschied ich mich zur Anschaffung eines Zweitfliegers und der sollte elektrisch angetrieben sein. Dessen Vorteile sind bereits genannt - der Nachteil ist der hohe Einstiegspreis (Motor, Regler, wenigstens zwei Akkus, ein weiterer Empfänger) und von der Lebensdauer der Akkus bin ich auch noch nicht überzeugt. Wegen meines Faibels für Kurzstarter kam es zur Anschaffung eines PC-6 Pilatus Porter des Herstellers VQ mit 1,58 m Spannweite. Ihn gibt es in "Tiegerbemalung", als "Ikarus" und in einer Nachempfindung eines Originals (s. Abbildung), selbstverständlich wohlwissend, dass man vom Original nicht auf die Flugeigenschaften eines Modells schließen kann. Die tatsächliche "Hässlichkeit" des Originals wurde durch eine kürzere Nase entschärft. Für den Akku ist eine mit Magnetverschluss versehene Motorhaube vorgesehen. Sein Gewicht erreicht mit einem Scorpion-Motor SII-3032-990KV an einem 13 x 6,5-Propeller in Verbindung mit einem 3S-4400mAh-30C-Akku 2625 Gramm. Bei einem Standschub von ca. 2730 Gramm ergibt sich ein Schubverhältnis von über 1:1 und so sollte der Startrollweg schonmal kein Thema sein. Für gute Langsamflugeigenschaften sprach von ganz allein das Flügelprofil CLARK-Y.

Pilatus Porter PC-6 (VQ-Modell), Spannweite: 1,58 m, Gewicht: 2,65 Kg, Propeller: 13 x 6,5
Der Zusammenbau dieses ARF-Modells gestaltete sich mancherorts als schwierig. Das Seitenruder ließ sich schwer einpassen, ohne dass der Ruderausschlag zu schwergängig geworden wäre und der Tragflügel wies einen Verzug auf, der jetzt nur noch mit einer unschönen Querrudertrimmung von einigen Millimetern korrigiert werden konnte. Aber das sieht ja im Fluge niemand. Ansonsten wurde an nichts gespart - der Aufbau besticht durch seine robuste Bauart und das Fahrwerk mit Federung steckt sehr viel weg. Die Folie ist sehr kräftig und direkt farbig gestaltet, sodass eine kurzlebige Aufbügelung von Farbdekors entfällt. Den oberen Stützpunkt des Fahrwerkgestells (unter der Windschutzscheibe) habe ich mit GFK verstärkt. Größere Räder (85mm statt 75mm) ließen sich wegen der zu kurzen Achsen leider nicht montieren.
Erstflug
Das Flugzeug ist in meiner Konfiguration sehr kopflastig! Beim Auswiegen kippte es so heftig vornüber, dass er von den Fingern rutschte. Der "Einflieger meines Vertrauens" meinte, besser so als Hecklastig. Er fackelte nicht lang. Also los: Der Start mit Halbgas erforderte höchstens 10 m. Nach einiger Trimmarbeit zeigte sich die PC-6 als braves Flugzeug. Der Motorsturzt entpuppte sich jedoch als zu gering. Vollgas führte zu heftigem Steigflug. Dies ist, was den Bauplan betrifft, wohl das Zugeständnis an schubschwächere Verbrennermotoren. Eine Korrektur erfolgt einfach, indem man die oberen beiden Muttern des Motorträgers auf den Gewindestangen einige Umdrehungen nach vorn dreht. Das Überziehverhalten ist sensationell unkritisch. Voll gezogenes Höhenruder bewirkt bei Strömungsabriss an der Tragfläche ein absolut stabiles Dahingleiten in fast horizontaler Fluglage mit Minimalgeschwindigkeit ohne Tendenz zum Abkippen - weder um die Quer- noch die Längsachse. Ich hatte das Gefühl, man könne die PC-6 notfalls in dieser Konfiguration direkt landen. Im senkrechten Sturzflug hatte die PC-6 nur eine minimale Tendenz, positiv abzufangen, was für eine kaum vorhandene Kopflastigkeit spricht.
Forenbeiträge haben mehrheitlich darauf hingewiesen, dass die PC-6 beim Einleiten einer Kurve die Tendenz dazu hat, mit dem Heck abzusacken. Hierzu kann ich folgenden Ratschlag geben: Es ist wie mit Schuhen, die trotz korrekter Größenangabe zu klein ausfallen. Offensichtlich ist die Schwerpunktlage, die ich zunächst für zu kopflastig hielt, optimal. Man sollte also wenigstens die vorderste angegebene Position des Herstellers von 70 mm ab Flügelnase wählen, eher noch weniger. Meine PC-6 hatte keinerlei Tendenz, mit dem Heck abzusacken. Die Trägheit um die Längsachse ist aber tatsächlich wahr - ein reales Merkmal des Originals. Ein sauberer (und zügiger) Kurvenflug verlangt die Koordinierung von Quer- und Seitenruder und tut dem Flugbild gut. Um die Agilität um die Längsachse zu steigern, vergrößerte ich den Querruderausschlag gegenüber den Angaben des Bauplans um 5 mm. Dabei sollten die Querruder möglichst kein Expo erhalten. Ich persönlich verzichte aber auf eine Mischung von Quer- und Seitenruder, die einen sauberen Kurvenflug unterstützt. Schließlich will ich fliegen.
Auf eines sollte jedoch hingewiesen werden: Dieses fliegende Gebälk bremst in eng geflogenen Kurven derart ab, dass beim Landeanflug schnell die Mindestgeschwindigkeit unterschritten wird. So geschah es mir beim Eindrehen in den Queranflug, als in Schräglage zusätzlich der Rückenwind auf den Flieger drückte. Den freien Fall aus etwa 10 m Höhe überstand die PC-6 dank ihrer robusten Bauweise aber reparabel.
Auf Grund der hohen Schubkraft lässt sich der Porter zwar recht flott bewegen, aber eigendlich ist das mit seinem hohen CW-Wert auf Grund seines Profils, dem Fahrwerk, der Streben und seines fülligen Rumpfes nicht seine Sache. Dafür bietet er ein sehr realistisches Flugbild. Dazu ist nur wenig Motorleistung erforderlich (jede Leistungssteigerung bringt relativ wenig) und das kommt der Flugdauer zugute. Nach etwa sechs Minuten Flugzeit, darin drei Starts enthalten, lud ich 1,6 Ah nach. Daraus ergibt sich bei 4400 mAh Akkukapazität eine Flugzeit mit moderater Leistung von rund 16 Minuten. Wegen des hohen Schubverhältnisses eignet sich die PC-6 auch für Segelflug-Schlepp. Spätestens hier muss die Kühlung des Motors und Reglers berücksichtigt werden. Beim Schlepp bewegt sich der Flieger bei minimaler Fluggeschwindigkeit und maximaler Motorleistung - also bei geringstem Luftdurchsatz. Die Motorhaube lässt zwar im unteren Teil viel Luft für den Regler herein (vorausgesetzt, der Luftaustritt im Heck ist groß genug), aber die Motorkühlung lag eher nicht im Fokus der Entwickler. Der Spinner deckt den Motorquerschnitt vollständig ab und ob der Luftzug ausreicht, genug Luft durch den Spalt zwischen Spinner und Wellentunnel zu ziehen, ist fragflich. Hier sollten zusätzliche Lufteinlässe möglichst weit vorn für Kühlung sorgen.
Bei der Landung kommen alle Eigenschaften eines STOL-Flugzeuges zum Vorschein. Das Clark-Y-Profil mit seinem hohen Auftrieb und dem gutmütigen Abrissverhalten tragen dazu bei. Der relativ hohe Luftwiderstand der PC-6 baut Geschwindigkeit zügig ab, sodass man kontrolliert mit Schleppgas jeden Punkt des Landeplatzes ansteuern kann. Daran muss ich mich als Anfänger und Flieger eines Tiefdeckertrainers von höherem Gewicht aber erst gewöhnen. Überwindet man sich erstmal, sich auf die niedrige Anfluggeschwindigkeit einzulassen, sind Landerollstrecken unter 10 m möglich. Die Regel, beim Landen Höhenruder zunächst in der Stellung zu belassen, mit der aufgesetzt wurde und dann recht zügig Höhenruder voll durch zu ziehen, unbeachtet: Der Porter kippte trotz Missachtung dieser Regel nicht auf die Nase.
Fazit: Als Einsteigermodell bedingt geeignet. Klassische Hochdecker-Trainer wie der Calmato-40 (und auch der Calmato 40 sports) fliegen auf Grund ihres Verhältnisses von Gewicht zu Flügelfläche nicht langsamer, sind aber um die Längs- und Hochachse leichter beherrschbar. Die Langsamflugeigenschaften sind nur in waagerechter Flügellage gewährleistet. Kurven müssen dagegen zügig angegangen werden. Also: Dem Modell angemessenes "Scale-Fliegen" ist dem Anfänger anzuraten.
1.6 Das Drittflugzeug
Es bestand der Wunsch nach einem größeren und schnelleren Flieger. Da die Anschaffungskosten ab einer gewissen Größe überproportional ansteigen, kaufte ich ein sich noch im Rohbau befindlichen Monza von Beineke, bestückt mit einem OS91FX für nur 100 Euro. Schnäppchen! Doch man sollte sich nichts vormachen. Hat man keinen Flieger zum Ausschlachten der Komponenten oder ist nicht bereit, Komponenten hin und her zu tauschen, kauft man sie dazu. Und so entstanden mit Empfänger, Servos, Akku, Regler, Schalldämpfer, Propeller, Folie und Kleinteilen Zusatzkosten von rund 200 Euro. So ist das, wenn man noch nicht viel Modelle hat. Der Vorbesitzer hatte sich bereits auf ein Spornfahrwerk festgelegt, dieses Konzept habe ich übernommen. Ich könnte im Nachhinein nicht sagen, dass ich darüber glücklich wäre. Es führte dazu, dass ich das Hauptfahrwerk aus Kostengründen aus 3mm-Alublech selbst fertigte und, da das Material zu labil war, mit Zugfedern verstärkte. Es trägt gegenüber einem GFK/CFK-Fahrwerk auch einiges an Gewicht bei. Das Spornrad ist frei drehend. Zwar ist dies nicht unüblich, aber bei dem kurzen Hebelarm des Rumpfes und dem recht satten Drehmoment des 15ccm-Motors mit 14 x 8-Propeller nicht leicht zu beherrschen.

Monza (Beineke), Spannweite 1,60m, Gewicht 4,2kg, Motor 15ccm, Propeller 14x8. Das Finish wurde erst nach den ersten Flügen fertig gestellt (hier nicht zu sehen).
Der Monza besitzt ein vollsymetrisches Profil von 15% Dicke. Dies verspricht baulich betrachtet Robustheit, leider auch ein hohes Gewicht, dafür aber ein unkritisches Überziehverhalten - was sich eindrucksvoll bestätigen sollte. Die Stabilität um die Längsachse ist dabei aber geringer als die eines Trainers. Während der Calmato 40 sports selbst auf der letzten Rille keine Tendenz dazu zeigt, endet es beim Monza mit plötzlichem, seitlichen Abkippen. Mit einem Standschub von 59 N geht der Monza bei einem Gewicht von 4,2 kg natürlich senkrecht und bei einer Flächenbelastung von 95 gr/dm² zeigt er sich recht unbeeindruckt von Wind, sollte aber in Sachen Minimalgeschwindigkeit nicht herausgefordert werden.
Aus gleichem Hause (Beineke) gibt es den bekannten Shadow. Sowohl der Monza als auch der Shadow spiegeln den Stand der Spät-Siebziger wieder. Mit den damaligen Motoren erreichte man mit Wohlwollen ein Schubverhältnis von 1:1 und Kunstflug war "aerodynamisch". D.h., man flog Kunstflugfiguren mit Vorwärtsbewegung (so, wie die manntragende Fliegerei heute noch). So sind die Ruderflächen auch relativ klein, da sie ja auf genügend Anströmung hoffen durften im Gegensatz zur 3D-Fliegerei von heute. Während der Shadow wie auf Schienen fliegt (Standardspruch eines Fliegerkollegen nach jeder Landung), trifft das auf den Monza nicht in gleichem Maße zu. Um es klar zu stellen: Er fliegt gut beherrschbar, macht keine Zicken, ist mit dezenten Ruderausschlägen brav, um die Längsachse nach heutigen Maßstäben fast träge, dafür um die Querachse äußerst agil. Wiedermal spielt der kurze Leitwerkshebelarm seine Rolle. In engen Kurven wendet er auf dem Tablett, zieht sich gierig um den imaginären Wendepunkt herum. Der Gedanke an Pylon-Racing drängt sich da auf. Diese Wenderate wird selbstverständlich durch das dicke, symmetrische Profil unterstützt. Natürlich hat man wegen des Fahrtabbaus während der Wende für genügend Schubunterstützung zu sorgen.
Fazit: Ein Modell dieser Art zu fliegen, hat einen besonderen Reiz. Es geht verdammt schnell voran, horizontal wie vertikal. Hat man dies erstmal verinnerlicht (ich spreche immer noch als "Nichtprofi"), ist der Monza ein Flugzeug, das trotz seines enormen Potentials einerseits den Einstieg in diese Art Fliegerei dank seiner Ausgewogenheit ermöglicht, und gleichzeitig nach oben hin viel Raum bietet. Monza fliegen heißt "bolzen" in seiner schönsten Art und Weise, nämlich mit schneller Vorwärtsbewegung!
Über mein nächstes Projekt, wo ich versuche, aus einem herrenlosen Seglerrumpf so etwas "Ähnliches wie ein Hotliner" zu bauen, vielleicht auch den ultimativen Allrounder, berichte ich später.
2 Dynamischer Segelflug des Albatros
Folgender Beitrag bezieht sich auf den dynamischen Segelflug eines Vogels. Es geht darum, den ansich einfach zu erklärenden Vorgang mit konkreten Zahlen nach zu vollziehen. Um ihn auf die Modellfliegerei zu übertragen, bedarf es nur weniger Parameteranpassungen, nämlich einer vergleichbaren Flächenbelastung und Re-Zahl. Im direkten Vergleich bedeutete dies, dass ein Modell-Segler eine Flächenbelastung von statt üblichen 5 kg/m² etwa 14 kg/m² haben müsste, um sich einem Vergleich mit dem Albatros zu stellen. Dies ist aber nicht so wesentlich abweichend, als dass ein Modellpilot daraus nicht Schlüsse auf die Modellfliegerei ziehen könnte. Theoretisch ist ein dynamischer Segelflug mit einem Flugmodell möglich (umso einfacher wegen seiner geringeren Flächenbelastung), jedoch erfordert dies ein Feingefühl des Piloten, den man auf Grund seiner genetischen Vorbestimmung kaum erwarten kann, während Vögel Steig- und Sinkgeschwindigkeit sowie Gegen- oder Rückenwind angeboren in ihren Federn zu fühlen vermögen. Wenn der Modellpilot zwar nicht stundenlang in Bodennähe segeln kann, so möge ihm folgende Darstellung zumindest etwas Sicherheit vermitteln, wenn er sich kurz vorm abendlichen Absaufen im Landeanflug befindet - und noch ein Hauch von Wind weht.
2.1 Effekte
Der Albatros kann (könnte bei optimalen Windbedingungen) ohne Flügelschlag, d.h. ohne eigenen Energiebeitrag, stundenlang über dem Meer schweben. Dabei sind auch keine Aufwindkomponenten im Spiel wie etwa an Berghängen oder in Folge thermischer Auftriebe. Die Rede ist von dem „dynamischen“ Segelflug. Er macht sich dabei mehrere Umstände zu nutze.
2.1.1 Veränderliche Flügelpolare
Mit dem Auftrieb eines Flügels ist untrennbar Luftwiderstand verbunden. Und zwar nicht nur der Form- und Reibungswiderstand, den jeder Körper bei Bewegung in der Luft erfährt, sondern auch den auftriebsspezifischen, dem so genannten induzierten Widerstand. Der Flügel erzeugt durch seine Profilierung eine abwärtsgerichtet Luftmasse, die durch seinen Impuls eine entgegen gesetzte Kraft, die Auftriebskraft, erzeugt. Anstatt mit Impulsen ließe sich die Wirkung auch mit Druck- oder Luftgeschwindigkeitsdifferenzen beschreiben. In jedem Falle wird eine Kraft erzeugt, die dem Flügel zunächst in Form von Vortrieb gegenüber der Luft als Energie zugeführt werden muss. Ohne Luftströmung kein Auftrieb!
Je schneller der Flug, umso mehr Auftrieb kann erzeugt werden. Benötigt man zwar eine höhere Fluggeschwindigkeit, nicht aber mehr Auftrieb, etwa weil man die Höhe konstant halten möchte, muss der Flügel seine Eigenschaften wie Wölbung und Anstellwinkel verringern und so weniger Auftrieb erzeugen. Das macht ihn gleichzeitig widerstandsärmer, da weniger induzierter Widerstand erzeugt wird. Der Flügel bewegt sich dann an einer anderen Stelle der Polare, einem Diagramm, in dem der Widerstand dem Auftrieb gegenübergestellt wird. Andersherum könnte der Flügel mehr Auftrieb bei gleichzeitig geringerer Geschwindigkeit erzeugen, wenn die Wölbung und/oder der Anstellwinkel erhöht würde.
Die Beeinflussung der Flügelpolare wendet der Vogel beim Einflug in den Gegenwind bzw. Rückenwind an. Bei Gegenwind steigt die Luftgeschwindigkeit an. Ohne Änderung des Auftriebsbeiwertes des Flügels würde der Vogel steigen, was in dieser Flugphase nicht in seinem Interesse ist. Vielmehr verringert er den Auftriebsbeiwert, um den Widerstand zu senken. Effektiv kann der Vogel damit seine Fluggeschwindigkeit erhöhen – etwa um den Betrag des Gegenwindes – womit die Geschwindigkeit über Grund konstant bleibt. Von Energiegewinn kann hier zwar im direkten Sinne nicht die Rede sein, aber der Albatros kann hiermit beim Sturmsegeln ganz erheblich zur Verlustminimierung beitragen.
2.1.2 Nutzung der Schwerkraft beim Wendemanöver
Schon die Jagdflieger in der Anfangszeit der Fliegerei kannten den Effekt. Schon immer galt es, in die Position des Jägers, also hinter den Gegner zu gelangen. Nur so konnten die Kanonen auf den Gegner gerichtet werden. War man der Gejagte, bestand das Ziel der Taktik immer darin, härtere Wendemanöver durchzuführen, als es dem Gegner möglich war, um sich anschließend an ihn zu heften. Ungeachtet dessen, dass der Verfolger mit schneller Reaktion und einem gleichwertigen Flugzeug jedes Manöver des Gejagten nachmachen konnte, gab es eine energetisch sehr effektive Art der Wende.
Anstatt etwa im Falle einer horizontalen Wende die Verzögerung allein durch Auftriebsverluste des Flügels zu erwirken, die Zentripetalkraft zu überwinden und anschließend allein durch Motorkraft wieder zu beschleunigen, wurde die Schwerkraft in der Verzögerungs- und Beschleunigungsphase genutzt. Das Wendemanöver wurde von der horizontalen in die vertikale Ebene gelegt. Bei geschickter Durchführung ließ man im steilen Steigflug die Verzögerung durch die Schwerkraft bis zu einer geringen Fluggeschwindigkeit wirken. Die anschließende Wende konnte so mit engsten Kurvenradien bei minimaler Auftriebskraft (gleichbedeutend mit minimalem induzierten Flügelwiderstand und geringster struktureller Belastung) erfolgen und beschleunigte abschließend nach unten mit Unterstützung der Schwerkraft. Die Beschleunigungsphase war gekennzeichnet durch die Addition von Schwerkraft und Motorkraft und war i.d.R. ausreichend, um mit Fahrtüberschuss wieder an den Gegner heranzufliegen.
Der Albatros wendet diese Manöver vor jeder Wende gegen den Wind an. Der Begriff „Nutzung“ ist aber auch hier nicht mit Energiegewinn gleichzusetzen, da der Albatros bei diesem Manöver keine Energie bezieht. Die kinetische Energie wird beim Steigen lediglich in potenzielle Energie und beim Sinken wieder in kinetische Energie zurückgewandelt. Bei der weiteren Betrachtung, nämlich der Energiebilanz des Sturmsegelns, spielt es jedoch keine Rolle und soll nicht weiter berücksichtigt werden.
2.1.3 Ausnutzung der Geschwindigkeitsdifferenz in Folge der Bodenreibung
In Bodennähe nimmt der Wind in Folge der Bodenreibung ab. Umgekehrt nimmt er nach obenhin zu, zunächst stark, dann mit abnehmendem Bodeneinfluss zunehmend weniger, bis er in einigen hundert Metern Höhe konstante Werte annimmt.
Die Betrachtungen beziehen sich auf die Bodennahe Schicht (Prandtl-Schicht), die bis 100 m Höhe reicht. Je rauer das Gelände ist, umso geringer sind die Luftgeschwindigkeiten in Bodennähe und umso flacher ist die Kurve, mit der die Windgeschwindigkeit mit der Höhe zunimmt. Je nach Geländerauhigkeit kann der Punkt ZG (Höhe, in der die Windgeschwindigkeit derjenigen der Gradientengeschwindigkeit entspricht) über Wasser 250 m, im Mittel 1.000 m und über Gebirgen sogar 2.000 m betragen. Die Kurven sind für eine neutrale Wetterlage gültig.
Stabile Wetterlagen modifizieren die Kurve zu einem flacheren, instabile zu einem steileren Verlauf hin. Die weitere Betrachtung bezieht sich auf die neutrale Wetterlage, für die die Beziehung gilt [1] [2]:
u(z) = (us / k) × ln(z / z0) Gl. 1.1
u(z) Windgeschwindigkeit in m/s
us Schubspannungsmodul:
- aufgeraute Meeresoberfläche: 0,4
- offene Landschaft: 0,67
- Bebauung: 1,05
k Kármann-Konstante 0,4
z0 Integrationskonstante, Rauhigkeitslänge: (ca. 3 % - 15 % der Bodenunebenheit)
- aufgeraute Meeresoberfläche 0,0011
- offene Landschaft 0,1
- Bebauung 1,0
z Höhe in m
Ferner liefert die Beziehung u(z) / u(zref) = (z / zref)n (Gl. 1.2) mit dem Exponenten n = 0,11, 0,18 und 0,3 für die entsprechenden Rauhigkeiten vergleichbare Ergebnisse.
Zur Übertragung der Geschwindigkeiten von einer auf die andere Höhe bietet sich Gl. 1.3 an:
u(z1) / u(z2) = [ln(z1 / z0) / ln(z2 / z0)]
Die Rauhigkeit eines Geländes führt zu mehr erzwungenem, vertikalen Luftaustausch mit der Folge von Turbolenz. Über der Meeresoberfläche bleibt die Strömung jedoch bis in die uns interessierenden Höhen laminar, sodass hier an der Kurve keine Modifikationen vorgenommen werden müsste.
Gleiches gilt für die ablenkende Coriolis-Kraft. Sie nimmt mit der Luftgeschwindigkeit zum Boden hin ebenfalls soweit ab, dass sie hier unberücksichtigt bleiben kann. Diese sogenannte Ekman-Schicht beginnt erst in einer weitestgehend vom Bodenprofil unbeeinflussten Höhe ab 100 m.
In Bodennähe, in der sich Vögel und Modellflieger aufhalten, ist also die Windscherung am ausgeprägtesten. Sie bietet die Möglichkeit, sich in Windfeldern verschiedener Stärke aufzuhalten, die sie bei ihrem Flug gegen und mit dem Wind am günstigsten beeinflussen. So wird gegen den Wind in niedrigster Höhe bei geringster Windstärke und mit dem Wind in größerer Höhe bei höherer Windstärke geflogen.
2.2 Der Flug
Für den Wanderalbatros sind angegeben [3]:
Fluggeschwindigkeit vFlug = 20 m/s
Masse m = 8,8 kg
Auftriebskraft FA = 86 N
Spannweite b = 3,1 m
Flügelfläche A = 0,62 m²
Flügelstreckung L = b² / A = 15,5
Gleitzahl cA / cW = 20 / 1
2.2.1 Die widerstandslose Betrachtung
Das Flugprofil kann schematisch in die Phase vor der 1. Wende, der Phase nach der 1. Wende, der Phase vor der 2. Wende sowie der Phase nach der 2. Wende unterteilt werden. Bei dieser Betrachtung der Energiebilanz des Fluges sollen die Wenden selbst zunächst ohne Bedeutung sein.
Phase vor Wende 1:
Der Vogel fliegt mit 20 m/s knapp über der Meeresoberfläche. Dort herrscht (theoretisch) Windstille. Tatsächlich fliegt der Vogel in einer Höhe, die ihn knapp vom Kontakt mit dem Wasser bewahrt, sagen wir 30 cm. Ferner nehmen wir eine Wendegeschwindigkeit nahe der Minimalgeschwindigkeit an, 10 m/s. Sie hat kurze Wendemanöver zur Folge und lässt ihn den Effekt der Abbremsung durch die Schwerkraft nutzen. Gemäß der Formel für den senkrechten Wurf
vWende = Ö(v² - 2 × g × h) Gl. 1.4
vWende = 10 m/s (geschätzt)
erreicht er die Wendegeschwindigkeit im vereinfachten Falle eines senkrechten Steigflugs in einer Höhe von 15 m.
Für das folgende Beispiel wird das Windprofil mit dem Schubspannungsmodul = 0,5 und z0 = 0,011 dargestellt. Die Windgeschwindigkeit vWind beträgt hier in 15 m Höhe 9 m/s, in der noch soeben fliegbaren Höhe von 30 cm 4 m/s. Seine Fluggeschwindigkeit relativ zur Luft beträgt wie gesagt 20 m/s, diejenige über Grund 16 m/s.
Mit dem Aufstieg aus dem Bereich der Windgeschwindigkeit von 4 m/s in den mit 9 m/s erfuhr er einen Geschwindigkeitszuwachs relativ zur Luft von 5 m/s, es resultiert daraus also vFlug = 25 m/s. Durch die Anpassung des cA-Wertes seiner Flügel hält er vüG konstant (was in der Realität um Verluste zu korrigieren wäre).
Phase nach Wende 1:
Nach der Wende bleibt die Fluggeschwindigkeit unverändert, da sich der Impuls des Vogels innerhalb der Luftmasse nicht ändert - er bewegt sich mit ihr. Die Geschwindigkeit über Grund vüG hat sich nach der Wende jedoch um den Betrag der Windgeschwindigkeitsdifferenz und der effektiven Windgeschwindigkeit erhöht.
Bei Windstille in Bodennähe gälte
vFlug + vWind = 25 m/s + 5 m/s = 30 m/s oder
vüG + 2 × vWind = 20 m/s + 2 × 5 m/s = 30 m/s.
In diesem Fall wäre vüG + vWind , Diff + vWind = 16 m/s + 5 m/s + 9 m/s = 30 m/s.
Phase vor Wende 2:
Die Fluggeschwindigkeit erhöht sich um weitere 5 m/s, da der anfängliche Rückenwind von 9 m/s entsprechend dem Windprofil auf Höhe 0,3 m ebenfalls wieder 4 m/s wird, also vFlug = 30 m/s. Das Geschwindigkeitsplus beträgt nun 10 m/s. Bis hier hin kam dem Vogel eine „kostenlose“ Beschleunigungsarbeit zugute. Für sie gilt
W = m × vGewinn² / 2 = 8,8 kg × 10² m/s × 0,5 = 440 J Gl. 8.5
Phase nach Wende 2:
Die Geschwindigkeitswerte blieben bei Windstille erhalten. Hier verlässt der Albatros die 2. Wende aber in einen Gegenwind von 4 m/s, woraus sich wieder vüG = 26 m/s ergibt. Aus der Differenz von vFlug und vüG wird die Winddrift ersichtlich, hier 4 m/s. Sie kann in der Flugenergetik unberücksichtigt bleiben, solange der Vogel sie nicht kompensiert will. Die widerstandslose Betrachtung der Geschwindigkeitsbilanz hier noch einmal im Überblick:
| Start | Wendepunkt 1 | Wendepunkt 1 | Wendepunkt 2 | Wendepunkt 2 | |
| vor | nach | vor | nach | ||
| vFlug in m/s | 20 | 25 | 25 | 30 | 30 |
| vüG in m/s | 16 | 16 | 30 | 30 | 26 |
2.2.2 Widerstände und Verlust
Um sich der realistischen Verhältnisse zu nähern, müssen die Widerstände einbezogen werden. Auf den Vogel wirken
• Formwiderstand
• Reibungswiderstand
• Induzierter Widerstand cWi
Alle drei Widerstände sind bei der typischen Fluggeschwindigkeit von 20 m/s bereits in der Gleitzahl 20 enthalten, da sie aus der Gesamtheit des „Systems“ Vogel resultiert und so beobachtet bzw. gemessen wird.
Für abweichende Geschwindigkeiten bzw. Auftriebsbeiwerte müssen die Widerstände gesondert ermittelt werden, wie im Falle der Wenden. Hierbei nehmen der Form- und Reibungswiderstand im Langsamflug in der 1. Wende ab, in der 2. Wende zu.
Durch die turbulente Grenzschicht am Gefieder ändert sich der Reibungswiderstand mit der Geschwindigkeit aber kaum – die Re-Zahl liegt weit oberhalb des kritischen Wertes von 70.000, an der laminare Strömung in turbulente umschlägt. Er kann hier für jede Geschwindigkeit unberücksichtigt bleiben.
Auch der Formwiderstand soll hier nicht weiter betrachtet werden. Er nimmt zwar mit dem Quadrat der Geschwindigkeit zu, was sich insbesondere beim Einflug in ein Gegenwindfeld auswirkt, jedoch zeigt die Beobachtung, dass die geflogenen Geschwindigkeit nie so wesentlich von der typischen abweicht, wie dies im theoretischen, oben gezeigten widerstandslosen Fall geschieht. Die 1. Wende führt zu geringerem, die zweite dafür zu höherem Formwiderstand, sodass auch statistisch gesehen eine Art Ausgleich der Widerstandswerte entsteht. Dies dürfte auch für den Flug zwischen den Wenden gelten. Der Ausgleich ist natürlich nicht 100 %, sondern nur annähernd, was aber hier ausreichen soll, um ihn nicht weiter zu berücksichtigen. Mit Blick auf das Resultat des induzierten Widerstands sei gesagt: Der Formwiderstand ist betragsmäßig noch deutlich kleiner als der induzierte Widerstand.
Es bleibt also, den schwerer überschaubaren induzierten Widerstand und daraus die entstehenden Widerstandskräfte sowie deren Wirkdauer zu ermitteln. Dabei heben sich die Momente erhöhten Anstellwinkels der Flügel zur Einleitung eines Steigfluges zeitlich und betragsmäßig mit den Momenten gesenkten Anstellwinkels zur Einleitung des Sinkfluges weitgehenst auf. Im Weiteren interessieren damit nur noch die Wendemanöver.
Im Kurvenflug beider Wenden soll eine Beschleunigungskraft von 2 g herrschen (grobe Annahme zu Gunsten träger Modellsegelflugzeuge, Vögel wenden üblicherweise mit dem x-fachen). Es ist also eine Auftriebskraft FA = 2 × 86 = 172 N zu erzeugen.
FA = 0,5 × d × vLuft² × A × cA Gl. 8.6
FW = 0,5 × d × vLuft² × A × cW Gl. 8.7
cA Auftriebsbeiwert
cW Widerstandsbeiwert
d Luftdichte = 1,225 kg/m³
Für die 1. Wende bei 10 m/s errechnet sich: cA = 4,3
Für die 2. Wende bei 30 m/s errechnet sich: cA = 0,48 (0,55)*
* Der Klammerwert soll hier noch nicht betrachtet werden – später dazu mehr
Die Errechnung der cW-Werte durch Division mit der Gleitzahl 20 kann nicht angewendet werden, da in beiden Fällen nicht mehr mit der dafür entsprechenden Geschwindigkeiten von 20 m/s geflogen wird. Eine Annäherung an die cW-Werte soll daher mit der Beziehung [4] ermöglicht werden.
cWi = cA² / (p×l) Gl. 1.8
Es ergeben sich für die
1. Wende bei 10 m/s ein cW = 0,379 mit der Gleitzahl cA / cW = 4,3 / 0,379 = 11,35
2. Wende bei 30 m/s ein cW = 0,0047 (0,0096) mit der Gleitzahl cA / cW = 0,48 / 0,0047 = 102 (57,3)
Die hohe Gleitzahl in der 2. Wende hat nur theoretischen Wert. Sie ergibt sich einerseits zwar aus der sehr hohen Fluggeschwindigkeit, bei der eine sehr geringe Auftriebskraft erzeugt werden muss. In wie weit sich aber dabei die Flügelgeometrie des Vogels ändert, ist schwer zu sagen. Im Sturzflug beispielsweise werden die Außenflügel nach hinten gepfeilt. Dadurch verringert sich die effektive Flügelstreckung. Würde sie dadurch nur noch 10 statt 20 betragen, errechnete sich die Gleitzahl damit zu 60, was schon realistischer aussähe und für die weiteren Berechnungen zu Grunde gelegt wird. Allerdings würde sich der tatsächliche Wert erneut modifizieren, da auch die Flügelfläche durch das Überlappen insbesondere der Fittiche reduzieren würde.
Nach o.g. Rechnung wirkten die zusätzlichen Widerstandskräfte FW in der
1. Wende FW = 15 N
2. Wende FW = 1,7 N (3,0 N)
Es gilt nun zu ermitteln, wie lange diese Kräfte in den jeweiligen Kurven wirken und welcher Energieverlust damit entsteht. Dazu muss die Wegstrecke des Wendebogens bekannt sein:
Der Radius der Wenden unter Wirkung der Zentripetalkraft FZ in Newton beträgt:
r = m × v² / FZ Gl. 1.9
Radius der 1. Wende: r = 8,8 kg × 10² m/s / 172 N = 5 m
Radius der 2. Wende: r = 8,8 kg × 30² m/s / 172 N = 46 m (42 m)
Eine Wende entspricht dem halben Kreisumfang. Dies ist die Wegstrecke des durchflogenen Bogens.
U / 2 = 2 ×p× r / 2 Gl. 1.10
Die Bogenstrecke der 1. Wende ist 2 ×p× 5 / 2 = 15,7 m
Die Bogenstrecke der 2. Wende ist 2 ×p× 46 / 2 = 144 m (132 m)
Es wirken also die Widerstandskräfte in der
1. Wende bei 10 m/s mit der Dauer von 1,57 s
2. Wende bei 30 m/s mit der Dauer von 4,8 s (4,6 s)
Gemäß der Beziehung
dv / dt = (cW / cA) × g Gl. 1.11
sind mit den Wenden folgende Geschwindigkeitsverluste infolge erhöhten Auftriebswiderstandes verbunden (Es wird die Gleitzahl 11,35 für die 1. Wende, 60 für die 2. Wende zu Grunde gelegt):
Fahrtreduzierung in der 1. Wende: (1 / 11,35) × 9,81 = -0,86 m/s²
Fahrtreduzierung in der 2. Wende: (1 / 60,00) × 9,81 = -0,16 m/s² (-0,17 m/s²)
In der 1. Wende werden somit D v = 1,35 m/s
in der 2. Wende werden somit D v = 0,77 m/s (0,78 m/s)
abgebaut – denkbar geringe Werte. Die erste Wende wird mehr oder weniger so angeflogen, dass an ihrem Ausgang die Minimalfluggeschwindigkeit erreicht wird (vstall = vWende – Dv = 10 m/s – 1,35 m/s » 8,65 m/s), für die 2. Wende hingegen lässt sich sagen, dass vstall erst nach gut 2 Minuten langem Kurven der Fall wäre:
vFlug - vstall = 30 m/s – 8,65 m/s = 21,35 m/s à 21,35 m/s / 0,16 m/s² » 2 Min.
* Um die Fahrtverluste in den Wenden wäre o.g. Tabelle zu korrigieren. Dabei müssen alle Berechnungen zur 2. Wende erneut mit der Geschwindigkeit von 28,65 m/s (Klammerwerte) berechnet werden. Die Auswirkung ist gering, wie die Tabelle für die widerstandsbehaftete Geschwindigkeitsbilanz zeigt:
| Start | Wendepunkt 1 | Wendepunkt 1 | Wendepunkt 2 | Wendepunkt 2 | |
| vor | nach | vor | nach | ||
| vFlug in m/s | 20 | 25 | 23,65 | 28,65 | 27,88 (27,87) |
| vüG in m/s | 16 | 16 | 28,65 | 28,65 | 23,88 (23,87) |
Die Verlustarbeit WV = FW × t ist dann für die
1. Wende: 15 N × 1,57 s = 23,5 J
2. Wende: 1,7 N × 4,8 s = 8,16 J (3,0 N × 4,6 s = 13,8 N)
Diese Verlustarbeit W = m × v² / 2 ist von der Beschleunigungsarbeit des ganzen Vogels in den Wenden zu subtrahieren.
Da eine Wende einer zweifachen Beschleunigung relativ zum Grund entspricht (và 0 àv ), muss sie mit 2 multipliziert werden.
W = m × v² Gl. 1.12
1. Wende: 8,8 kg × 10² m/s = 880 J
2. Wende: 8,8 kg × 30² m/s = 7.920 J (8,8 kg × 28,65² m/s = 7.223 J)
Erhalten bleiben 880 J – 23,5 J = 857 J
Erhalten bleiben 7.920 J – 8,16 J = 7.912 J (7.223 J – 13,8 J = 7.209 J)
2.3 Kleines Fazit
Ohne Widerstand würde der Vogel ins unermessliche Beschleunigen. Dass hier Grenzen gesetzt sind, wird schon durch die mit dem Quadrat der Geschwindigkeit zunehmenden Widerstandswerte, besonders dem des Formwiderstands, verhindert – bei Geschwindigkeiten also, die hier weit über den hier angesetzt liegen. Aber auch bei den errechneten, geringen Widerständen ergäben sich Geschwindigkeitsgewinne, die den Vogel nach einigen Runden überfordern würden.
Der Vogel muss daher sogar künstlich wieder Energie abbauen. Das tut er bereits, wenn er versucht, standorttreu zu bleiben, d.h., die Winddrift auszugleichen. Sie wurde ja hier nicht in die Energiebilanz einbezogen. Immerhin beträgt sie in obigem Beispiel mindestens 4 m/s. Darüber hinaus kann er Energie durch die bewusste Wahl weniger effektiver Flugbahnen abbauen. So kann er sich einen Spielraum für Ausweichmanöver, nachlassende Winde o.ä. sichern.
Quellen:
[1] Atmosphärische Ausbreitungsmodellierung, Grundlagen und Praxis,Axel Zenger, Springer-Verlag 1998 [2] Meteorologie und Umwelt, Eine Einführung, G. Warnecke, Springer-Verlag 1997 [3] Kolibris und Jumbo-Jets, Henk Tennekes, Birkhäuser-Verlag 1997 [4] Flugzeug-Aerodynamik, Reinhard Kutter, Motorbuch Verlag 1990