Schubäquivalent

 

Inhalt

 

1. Leistungsdichte - Fluggeschwindigkeit  
1.1 Ergebnis 
2. Die Schubentwicklung von Propellern 
2.1 Äquivalent-Leistung 
2.2 Schubberechnung von Propellern  
2.3 Praxisbeispiele und ihre Beurteilung 
2.4 Übersicht, Zusammenfassung und Ergebnis 

 

 

1. Leistungsdichte – Fluggeschwindigkeit

Nach den Strömungsgesetzen gilt: Schub ist das Produkt aus Strahlgeschwindigkeit und Massendurchsatz!

Es hängt von der Fluggeschwindigkeit ab, in wie weit die beiden Faktoren den Schub bestimmen. Da im Massendurchsatz die Größe Volumen (drei Dimensionen) enthalten ist, bestimmt er den Schub jedoch mit einer Potenz wirksamer als die Strahlgeschwindigkeit (zwei Dimensionen). Je höher das Verhältnis von Strahl- zu Fluggeschwindigkeit ist, desto geringer ist der spezifische Schub. Ziel ist es daher, die Strahlgeschwindigkeit sinnvoll der geforderten Fluggeschwindigkeit anzupassen, und zwar so, dass die Differenz möglichst gering ist. Zwangsläufig bedingt die hohe Reisegeschwindigkeit von Düsenflugzeugen aber auch eine höhere Strahlgeschwindigkeit, was durch Turbinenantriebe erfüllt wird.
Damit ist jedoch der Nachteil bereits aufgezeigt: Der Startschub ist relativ gering im Gegensatz zu Propellerantrieben. Diese sind zudem oft in der Lage, ihre maximale Effizienz durch verstellbare Propeller bis in den Standfall hin zu optimieren, also für einen maximalen Massendurchsatz zu sorgen und damit die Startleistung zu erhöhen.
Dem gegenüber steht der Nachteil, dass Propeller an den Blattspitzen transsonische Umfangsgeschwindigkeiten erreichen. Spätestens dann reißt die Strömung an den Profilen ab und der Schub bricht zusammen. Die maximale Fluggeschwindigkeit liegt bei etwa zwei Drittel der noch unkritischen Umfangsgeschwindigkeit.
Die Strahlgeschwindigkeit wird von der Leistungsdichte bestimmt, d.h. aus der Kreisfläche des Propellers und der zugeführten Leistung. Die Einheit lautet:

Leistungsdichte [W/m²] = Leistung [W] / Querschnitt [m²] Gl.1.1

Übliche Sportflugzeuge haben eine Leistungsdichte von etwa 50 kW/m², Turbopros erreichen bis zu 200 kW/m².


1.1. Ergebnis

Der Zusammenhang mit einer Korrelation von 0,8 zwischen maximaler Reisegeschwindigkeit und Leistungsdichte sieht so aus:

 

Die Abweichung von einer "absoluten" Korrelation (1,0) hat verschiedene Gründe, z.B.

- aerodynamische Güte des Flugzeugs
- Wirkungsgrad der gesamten Antriebsanlage
- Auslegungsschwerpunkte der Antriebsanlage
- Leistungsgewicht des Flugzeuges
- Flächenbelastung des Flugzeuges
- u.a.

Die zu Grunde liegenden Daten im Einzelnen:

 P je Motor [kW] d [m] A [m²] Blattzahl Leistungsdichte [kW/m²] vmaxReise [km/h] 
Diamond DA42 99 1,87 2,7 36 376 
Cessna C-172 118 1,91 2,9 41 216 
Piper PA-28 181 132 2,59 2,9 45 245 
DHC 6-100 432 1,90 5,3 82 296 
Extra 400 257 2,70 2,8 91 450 
Do 228 526 3,50 5,7 92 450 
DC-3 895 4,62 9,6 93 346 
L749 Constellation 1838 2,36 16,8 110 504 
EMB 110 559 3,93 4,4 128 409 
ATR 42-400 1588 3,81 12,1 131 496 
IAI Herald 200 1570 4,15 11,4 138 444 
Convair 440 1864 2,47 13,5 138 482 
CASA C212-200 671 3,98 4,8 140 354 
DC-6 1765 4,19 12,4 142 528 
Bae Jetstream 61 1976 3,96 13,8 143 491 
Dash 8-300 1838 2,70 12,3  149 528 
Pilatus PC-12 895 3,35 5,7 156 407 
Saab 340 1383 3,30 8,8 157 509 
CASA C235-100 1375 3,66 8,6 161 454 
Bae 748 1700 3,50 10,5  162 454 
Do 328-100 1603 3,20 9,6 167 620 
EMB 120 1343 4,30 8,0 167 556 
DC-7 2500 3,66 14,5 172 580 
Fokker F-50 1850 4,50 10,5 176 515 
Antonov An-12 3125 2,65 15,9 196 670 
Suchoi Su-80 1287  5,5 233 535 


2. Die Schubentwickung von Propellern

Ein kurzstartfähiges Flugzeug bezieht seine Fähigkeit aus verschiedenen Eigenschaften. Dazu gehören unter Anderem die Tragflügelfläche, der Auftriebsbeiwert des Flügels, dem Startgewicht und besonders die Antriebsleistung.

Kann man die Leistung eines Düsenflugzeuges mit dem eines Propellerflugzeuges vergleichen? Welche Motorleistung wäre erforderlich, um einen vergleichbaren Schub zu erzeugen?

Die Leistung eines Düsenflugzeuges wird in Einheiten der Schubkraft angegeben. Welche Schubkraft also entwickelt ein Propeller bei gegebener Motorleistung? Dieser Frage gehe ich nach und versuche, einen praktikablen, möglichst universell einsetzbaren Umrechnungsfaktor zu finden. Dazu sollen Angaben aus der Literatur verglichen werden. Ist das möglich, ohne konkrete Messungen? In physikalisch korrekter Weise natürlich nicht, es ist ja nur eine Schätzung! Sie stützt sich auf Versuchsergebnisse, Berechnungen oder pauschalen, empirisch ermittelten Werten. Sollte aber der Vergleich von Modellflugzeugen und Helikoptern wie ein Vergleich von Äpfeln und Birnen erscheinen, so verspreche ich schon hier: Der Vergleich ist nicht ganz abwegig!

Propeller besitzen auf Grund ihrer unterschiedlichen aerodynamischen Eigenschaften wie etwa Profilform, Blattanzahl, Umdrehungsgeschwindigkeit, Durchmesser und nicht zuletzt der aerodynamischen Beeinflussung durch umgebende Körper verschiedene Wirkungsgrade. Letzterer, der Einbauwirkungsgrad, ergibt sich aus der Größe des Triebwerks, der Verkleidung und den umgebenden Rumpf- und Tragflügelteilen. Für Sternmotoren werden hierfür Wirkungsgrade von 0,8 bis 0,9, für Reihenmotoren etwas günstigere 0,85 bis 0,95 angegeben. Halbwegs genaue Schubprognosen sind daher nur für konkrete Ausführungen möglich. Die Schubentwicklung eines Propellers hängt darüber hinaus von der Flughöhe, also der herrschenden Luftdichte, der klimatischen Bedingungen wie Luftfeuchte und Temperatur und der Fluggeschwindigkeit ab. Außerdem bestimmt die Leistungsdichte, d.h. die Antriebsleistung im Verhältnis zur wirksamen Propellerfläche, den Wirkungsgrad. Moderne und im Blattanstellwinkel veränderbare Propeller erreichen unter optimalen Bedingungen einen Wirkungsgrad von bis zu 90 %, Festpropeller einmotoriger Sportflugzeuge 60 % – 80 %. Im Folgenden wird, wenn nicht explizit auf Festpropeller hingewiesen wird, von verstellbaren Propellern ausgegangen, da nur hier über den gesamten Geschwindigkeitsbereich (und so auch annähernd im Stand)  die max. Motorleistung relativ wirkungsvoll umgesetzt werden kann. Bei Festpropellern ist dies nur für eine bestimmte Geschwindigkeit, der Auslegungsgeschwindigkeit, möglich. Demgemäß spricht man von einem Steig- oder Reisepropeller, was auch deutlich macht, dass Festpropeller während der Beschleunigungsphase des Starts, solange sie sich also noch am Boden befinden und nicht die Auslegungsgeschwindigkeit erreicht haben, recht uneffektiv arbeiten und ihre Motorleistung nicht besonders wirkungsvoll umsetzen können. Der theoretisch maximale Standschub wird bei Festpropellern daher in der Praxis nicht erreicht.

Zwar beleuchte ich in der folgenden Abhandlung auch zeitweise die Schubkraft in einer bestimmten Flughöhe und Geschwindigkeit, aber, ganz im Sinne des Kurzstarters ist das Ziel der Betrachtung, die Schubkraft im Stand und am Boden zu ermitteln.

2.1 Äquivalent-Leistung

Ein oft angewandter Vergleich („Flugtriebwerke“, Klaus Hünecke, Motorbuch-Verlag 1978“) zwischen der Schubkraft eines Propellers und dem eines Strahltriebwerkes drückt sich in der Äquivalentleistung - auch Wellenvergleichsleistung genannt - aus. Zunächst gilt für die Schubleistung PSch in W (Watt) eines Antriebes gleich welchen Prinzips:

 

PSch = FSch × v1 Gl. 1.1

 

Dabei ist FSch die Schubkraft in N und v1 die Eintrittsgeschwindigkeit » Fluggeschwindigkeit in m/s. Hier wird nur das Produkt aus der Schubkraft und der resultierenden Fluggeschwindigkeit v1 errechnet, worin also der Wirkungsgrad und alle Widerstände des gesamten Flugzeuges bereits enthalten sind. Weiterführend für den Fall der höchsten Geschwindigkeit vmax. ist die Schubleistung PSch in Verbindung mit der Schubkraft S in kg und dem Wirkungsgrad des Propellers h: PSch = S × v1 / (75 × h) [PS]

 

PSch = S × v1 / (102 × h) [kW] Gl. 1.2

 

Die Zahl 75 entstammt dem Umstand, dass 75kg / m/s einem PS entspricht. In Gl. 1.2 macht eine Standschubberechnung jedoch keinen Sinn, da der Quotient bei der Geschwindigkeit Null ebenfalls Null wäre. Anders in folgender Formel, in der sich die Standschubleistung Pstat aus der Austrittsgeschwindigkeit v2 und der Gasmasse m in kg errechnet: Pstat = m × v2² / (2 × 75) = S × v2 / (2 × 75) [PS]

               

Pstat = m × v2² / (2 × 102) = S × v2 / (2 × 102) [kW] Gl. 1.3

 

v2 Austrittsgeschwindigkeit in m/s 
 TL ca. 500 m/s – 600 m/s 
 ZTL Kern ca. 400 m/s – 450 m/s 
 ZTL Bypass ca. 260 m/s – 320 m/s 
 TL Nachbrenner  > 700 m/s 

Daraus ergibt sich die Schubkraft S in N (Newton) mit dem Gasmassenstrom mL in kg/s, ebenfalls alle Verluste beinhaltend, zu

                                                                                                                                                                                             

S = mL × v2 Gl.1.4

                                                                                                                                                                              

Hier wird die Leistung der Antriebseinheit in ein Verhältnis zum Schub gesetzt. Für den Standfall in Gl.1.3 geschieht das nach dem vergleichbaren Prinzip, dass das senkrechte Heben eines Gewichtes mittels eines entsprechenden vertikalen Schubes eine äquivalente Leistung erfordert – ohne Berücksichtigung irgendwelcher Verluste. Bei vmax (Gl.1.2) dagegen wird der Wirkungsgrad des Propellers berücksichtigt, der sich bei entsprechender Fluggeschwindigkeit einstellt.

Über die Turbinenaus- und Eintrittstemperatur besteht auch folgende Beziehung (Flugzeug-Turbinentriebwerke, Josef Frötschel, Eigenverlag 1960). Sie kommt bei der Abschätzung von Strahltriebwerken zur Anwendung und drückt die äquivalente Leistung Päq aus: Päq = mL × T × cP × 427 / 75 [PS]

Päq = mL × T × cP × 427 / 102 [kW] Gl.1.5

 

T3 - T4 (Turbineneintrittstemperatur - Turbinenaustrittstemperatur) in °C 
cp spez. Wärme des Gases, Luft = 0,247 kcal/(kg °C), Gas = 0,276 kcal/(kg °C) 
427 mech. Wärmeäquivalent: 1 kcal = 427 m kg 

Obwohl der Gesamtantrieb dabei den Wirkungsgrad Null hat, entwickelt er den größten Schub. Anders herum würde der Antrieb bei v1 = v2 den Wirkungsgrad 1 haben, aber keinen Schub liefern. 

                                                                       

2.2 Schubberechnung von Propellern

Folgende empirisch gefundene Beziehung liefert den Standschub S0 in der Einheit kg mit dem Propellerdurchmesser d in Metern („Handbuch für den Motorflieger“, Georg Brütting, franckh Verlag 1979): S0 = 6 × 3.Wurzel(P² × d²) (Leistung P in PS)

S0 = 7,4 × 3.Wurzel(P² × d²)             (Leistung P in kW) Gl.1.6                                                                                                                                                                                                                               Sie bezieht den Propellerdurchmesser und eine dynamische Komponente mit ein. Diese Komponente wird durch den Wert 6 repräsentiert und entspricht einer dynamischen Eigenschaft eines Festpropellers. Hier sind Werte zwischen 6 und 9 einzusetzen, je nach Blattzahl und aerodynamischem Wirkungsgrad. Der Wert 9 wird bei modernen Turboprops durchweg erreicht. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich dieser Wert als direktes Maß des Wirkungsgrades. 9 entspräche danach dem Wirkungsgrad h = 0,9 oder 90%.

Berechnungsbeispiel Dornier DO-228: P = 715 PS pro Antrieb, n = 1.590 U/min, d = 2,7 m

S0 = 9 × 3.Wurzel(P² × d²) = 9 × 3.Wurzel(715² × 2,7²) = 13.687 N Gl. 1.7

Es wird anhand der weiter unten folgenden Praxisfälle ersichtlich werden, dass diese Berechnungsart realistischere Werte liefert als eine Berechnung über die Äquivalentleistung.In einer Beispielaufgabe für die Cessna C-172 mit den Angaben d = 1,91 m, n = 2.600 U/min = 43,34 1/s, FS = 2.026 N, vmax. = 225 km/h = 62,5 m/s und Pzu,max. = 112 kW werden der Schub und der Wirkungsgrad des Propellers über einen anderen Berechnungsweg beschrieben. Eine Sammlung von Formeln steht dafür zur Verfügung.

Winkelgeschwindigkeit in 1/s w = 2 × p × n Gl.1.8 
Umfangsgeschwindigkeit in m/s vU = r × 0,75 × w Gl.1.9 
Fortschrittsgrad (dimensionslos) h = vFlug / vU Gl.1.10 
Schub in N FS = kS × d × vU² × p × (d × 0,75)² / 8 = Pab / vFlug  Gl.1.11 / 12 
Schubbeiwert kS = FS × 8 / (d × vU² × p × (d × 0,75)²), oder Diagramm (s.u.) Gl.1.13 
Motordrehmoment in Nm MD = kD × d × vU² × p × (d × 0,75)³ / 16 = Pzu / w Gl.1.14 / 15 
 "MD = reff× VHub / (4 × p) (für 4-Takt) Gl.1.16 
Drehmomentbeiwert KD = MD × 16 / (d × vU² × p × (d × 0,75)³), oder Diagramm (s.u.) Gl.1.17 
Mittlerer Arbeitsdruck in Pa reff = 4 × p × (MD / VHub) Gl.1.18 
Abgegebene Motorleistung in W Pab = FS × vFlug Gl.1.19 
Zugeführte Motorleistung in W  Pzu = MD × w = (1 / (4 × p)) × reff × VHub × w Gl.1.20 / 21 
Propellerwirkungsgrad htheor = Pab / Pzu = ks × l / kD = FS × v / (MD × w × 0,75) Gl.1.22 / 23 / 24   
   
 Propellerdrehzahl in U/s 
 Propellerradius in m  
VHub  Hubraum in m³  
 d  Standardluftdichte 1,225 kg/m³  

Die Beiwerte, die mit Gl. 1.13 und Gl. 1.17 rechnerisch ermittelt werden, lassen sich auch dem folgenden Diagramm entnehmen, in dem Drehmoment- und Schubbeiwerte sowie Propellerwirkungsgrad der Fortschrittszahl (Aerodynamik der reinen Unterschallströmung, F. Dubs, Birkhäuser 1966 (2. Auflage) gegenüber gestellt sind.

 

 

Hinweis: Der Faktor 0,75 für den Propellerradius und den Propellerdurchmesser berücksichtigt die Schwerpunktlage des Propellers, die annähernd bei ¾ seines Radius liegt. Sie ist hier bereits in die Formeln integriert. Die Berechnung kann nur richtig sein, wenn sich die Angabe zur Fluggeschwindigkeit vFlugauf den dafür gültigen Wert der Schubkraft FS und der in Verbindung damit geltenden Propellerdrehzahl bezieht. Nur damit befinden sich die Schub- und Widerstandskräfte im Gleichgewicht. Es müssen also übereinstimmen:

 

 vStandmit FS,Stand mit nmax,Stand 
 vDesignmit FS,Design mit nDesign 
vmax mit FS,max mit nmax. 

Dem ist nicht eindeutig zu entnehmen, ob sich die Angabe für die Schubkraft auf vmax., die Geschwindigkeit im untersuchten Steigflug vSteig.max. oder auf den Standschub bei v0 bezieht. Daher wird hier nicht ein Rechengang gewählt, der die Angabe der Schubkraft zu Grunde legt, sondern er wird u.a. aus dem Schubbeiwert kS (s. Grafik; kS = 0,034) und der Umfangsgeschwindigkeit der Propellerblätter vU ermittelt. Gl.1.15 gewährt gleichzeitig eine verlässliche Aussage zum Motordrehmoment, dessen Wert aus Quellen fast nie zu entnehmen ist. Daraus entsteht auch der Vorteil, dass der Momentenbeiwert kD nicht aus der Grafik, sondern rechnerisch für den konkreten Propeller ermittelt werden kann. Schließlich ist damit gewährleistet, dass sich der Wirkungsgrad auf die verlässliche Angabe zur zugeführten Leistung Pzu bezieht. Die Drehzahl von n = 2.600 U/min deutet jedenfalls bei einem starren Propeller darauf hin, dass der Motor annähernd seine Maximalleistung abgibt, d.h. auch seinen Maximalschub entwickelt. Es ist also legitim, Pab mit vmax. zu rechnen, da sich nur dann ein Gleichgewicht zwischen Schub und Widerstandskraft ergibt. Unterschiede, die durch die Zugrundelegung von entweder vSteig.max. oder vmax. entstehen, wirken sich auf die Fortschrittszahl (Gl. 3), damit auf kS und schließlich auf das Ergebnis des Propellerwirkungsgrades aus.

 

 n. Gl.1.8w = 2 ×p× n = 2 × p × 43,34 = 272,3 1/s 
 n. Gl.1.9vU = r × 0,75 × w = 0,955 × 0,75 × 272,3 = 195 m/s 
n. Gl.1.10 h = vFlug / vU = 62,5 / 195 = 0,32
n. Gl.1.15 MD = Pzu / w = 112.000 / 272,3 = 411 N
n. Gl.1.17 kD = MD × 16 / (d × vU² × p × (d × 0,75)³) = 411 × 16 / (1,225 × 195² × p × (1,91 × 0,75)³) = 0,015
n. Gl.1.11 FS = kS × d × vU² × p × (d × 0,75)² / 8 = 0,034 × 1,225 × 195² × p × (1,92 × 0,75)² /8 = 1.276 N
n. Gl.1.19 Pab = FS × vFlug = 1276 × 62,5 = 79.750 W 
n. Gl.1.22  htheor = Pab / Pzu = 79.750 / 112.000 = 0,712   bzw. 
n. Gl.1.23 htheor = kS × l / kD = 0,034 × 0,32 / 0,015 = 0,725

Propeller erreichen im Idealfall Wirkungsgrade von 0,85 bis 0,9. Der hier errechnete Wert deutet auf relativ realistische Annahmen in den Berechnungen hin, da bei der hier zu Grunde gelegten maximalen Fluggeschwindigkeit gegenüber der Auslegungsgeschwindigkeit mit 0,72 ein geringerer Wirkungsgrad erzielt wird.

2.3 Praxisbeispiele und ihre Beurteilung


Hinweis:

Bei allen folgenden Betrachtungen zu Propellerturbinen wird vom Idealfall ausgegangen, dass die gesamte Leistung des Kreisprozesses zu 100 Prozent an die Abtriebswelle abgegeben wird.


Do-228

Im Zusammenhang mit einer Leistungssteigerung an der Do-228 (flugrevue, Nr. 7/84, Werte aus Diagramm ermittelt) durch eine Neugestaltung der Vierblattpropeller wird ein Standschub von 14.500 N angegeben. Mit der Propellerkreisfläche von 5,73 m² und einer Startleistung von 526 kW errechnet sich eine Leistungsdichte von 91,8 kW/m². Die Tabelle zeigt die Entwicklung des Schubbetrages im Verlauf steigender Fluggeschwindigkeit.                                                                        

v [km/h] S [N]Faktor × P [kW] = Schub Hinweis 




01450027,6Standschub
50 13000  24,7 
100 11000 20,9  
150 8910 17,0  v2
200 7170 13,6  
250 5970 11,3  
300 5220 9,9  
350 4720 8,9  
400 4350 8,3 vmax.Range 
450 4190 8,0 vmax.Cruise 
500 4000 7,6 vmax. 

Zum Vergleich ist die Kurve für einen starren Propeller eingetragen (basiert nicht auf konkreten Daten). Dies soll die Überlegenheit verstellbarer Propeller in weiten Geschwindigkeitsbereichen, nämlich beiderseits des Auslegungsbereiches eines Festpropellers, verdeutlichen.


Diamond DA42 TwinStar

Für die dieselgetriebene, zweimotorige TwinStar steht je Antrieb eine Startleistung von 99 kW bei einem Drehmoment von 410 Nm zur Verfügung. Dabei beträgt die Propellerdrehzahl nach Reduktion durch ein Getriebe mit dem Untersetzungsverhältnis von i = 1,69 2300 U/min. Für den Dreiblattpropeller mit 1,87 m Durchmesser ist ein Standschub von 650 lbs angegeben [aerokurier 2/2004], das entspricht 2880 N. Das heißt, bei einer Propellerfläche von 2,75 m² errechnet sich eine Leistungsdichte von 36 kW/m².

Motorsegler

                                                                                                                                                                                  

Der Antrieb des Motorseglers Super Dimona HK-36 von HOAC besteht aus dem Limbach L2400EB mit 66 kW (90 PS). In Verbindung mit dem Propeller MTV-1-A 160 und einer Nenndrehzahl von 3000 U/Min entwickelt er einen Schub von 1530 N. Ein Rotax 912A, 59 kW (80 PS) reduziert auf Grund der zu hohen Motordrehzahl von über 5000 U/Min. die Propellerdrehzahl durch ein Getriebe auf etwa 2300 U/min. Mit dem Propeller MTV-1-A 170 ebenso wie mit dem HO-V62R/170 entwickelt er dabei einen Schub von 1630N. Es wird deutlich, dass mit dem Rotax 912A trotz geringerer Motorleistung ein größerer Schub erzeugt wird. Dies geht auf den höheren Wirkungsgrad der Kombination von geringerer Propellerdrehzahl und größerem Durchmesser hervor.

UltraleichtFlugzeug                                                                                                                                                                             

        

Ein Diagramm wird für ein UL mit einer Motorleistung von 27 kW und einem 2-Blatt-Propeller angegeben (Martin Hepperle, Internet-Veröffentlichung). Das Wirkungsgradmaximum beträgt für

 

dProp = 1,29  m 82,0 % bei v = 43 m/s 
 dProp = 1,52 m82,5 % bei v = 40 m/s 
dProp = 1,76 m 83,0 % bei v = 36 m/s

Die Variation der Blattanzahl bewirkte an o.g. Werten Änderungen von unter 1 %. Folgende Tabelle bezieht sich auf den Propellerdurchmesser von 1,76 m.

 

 v [m/s] S [N]Faktor × P [kW] = Schub Hinweis 
1390  37,8in Anlehnung an Do228 abflachend 
1320 35,9 in Anlehnung an Do228 abflachend  
10 1240 33,8 linear interpoliert 
15 1100 30,0  
20 980 26,7  
25 860 23,4  
30 720 19,6  
35 590 16,1 hmax  
40 380 10,3  
45 160 4,4  
50  


Der Antrieb des Ultraleicht-Flugzeuges erfüllt die Bedingungen eines freien Propellers. Zu berücksichtigen ist, dass es sich dabei um einen Druckpropeller handelt. Somit gelten die Aussagen zur fs-28 avispa und C-337, s.u..
Gleichzeitig bewegen sich UL´s in Geschwindigkeitsbereichen, wie sie auch bei Luftschiffen üblich sind, s.u.. Ein Vergleich bietet sich also auch hierzu an. Der Festpropeller des UL ist auf eine Geschwindigkeit von 36 m/s hin ausgelegt (max. Wirkungsgrad). An Luftschiffen wird der Wirkungsgrad durch Blattverstellung an die Geschwindigkeit angepasst, weshalb ein direkter Vergleich nur bei der Auslegungsgeschwindigkeit des UL möglich ist.
Das UL erzielt dabei eine Leistungsdichte von 11,1 kW/m² und eine Schubdichte von 572 N/m², das Luftschiff hingegen 50 kW/m² bzw. 920 N/m². Die Schubdichten sind in der gleichen Größenordnung. Das UL erreicht dies aber mit einem Fünftel der Leistungsdichte des Luftschiffs, was auf einen hohen Wirkungsgrad verweist (83 %). Diesen Wert muss man aber als „heute üblich“ betrachten, weshalb eher der Wert des Luftschiffantriebs Fragen aufwirft.


RFB-Fanliner

Der RFB-Fanliner entwickelt mit einem NSU-Wankelmotor von 110 kW bei 6000 U/min und einem ummantelten 3-Blatt-Propeller mit der Nenndrehzahl von 2900 U/min und einem Durchmesser von 1,10 m Durchmesser (0,95 m²) 326 kp (3200 N) Schub. Die Leistungsdichte ist 115 kW/m².
Im Falle des Fanliners ist nach („Aerodynamik der reinen Unterschallströmung“, F. Dubs, Birkhäuser Verlag 1966) theoretisch zu berücksichtigen, dass ein ummantelter Propeller einen um 1,26-fach höheren Schub abgibt als freilaufende Propeller. Mit Diffusoreinlass steigere sich danach der Effekt sogar auf weitere 1,3. Der Effekt des Mantels besteht in der Vermeidung der Druckausgleichsströmung an den Propellerspitzen, die, wie an jedem Flügel, induzierten Widerstand erzeugen. Für einen freilaufenden Propeller ergäbe sich nach Gl. 1.6 mit o.g. Daten ein Faktor von etwa 24,1 N/kW. In dem höheren Wert von hier 29,1 N/kW spiegelt sich ein Gewinn durch die Ummantelung und einen Diffusoreinlass wieder, wenn auch nicht ganz so effektiv, wie sich aus deren Faktoren errechnet: 24,1 × 1,26 × 1,3 = 39,5 N/kW. Angesichts der Abweichung zu vergleichbaren Beispielen ist die Wirkung der Ummantelung in diesem Falle gering. Hier gilt sicher, dass sich Theorie und Praxis nicht immer vereinen lassen. So können Fertigungstoleranzen besonders hinsichtlich der Spaltbreite zwischen Propellerspitze und Mantelgehäuse eine entscheidende Rolle spielen. Aber auch, dass bauartbedingt eine ungleich geringere Propellerkreisfläche zur Schuberzeugung zur Verfügung steht. Dazu trägt der Einbauort des Propellers bei, der besonders vom davor befindlichen Rumpf abgeschattet wird. Zudem ist der Anteil der Nabenfläche an der Propellerkreisfläche durch die Motor- und Getriebeinstallation unverhältnismäßig groß. So steht zur Schuberzeugung mehr nur ein Kreisring anstatt einer Kreisfläche zur Verfügung, wie man sie für frei laufende Propeller annähernd betrachten kann. Und was hier ebenfalls nicht sicher gesagt werden kann ist, ob der Lufteintritt als Diffusor ausgelegt ist. Ohne seinen Gewinnfaktor von 1,3 errechnen sich immerhin sehr übereinstimmende 30,4 N/kW. Es muss aber auch gesagt werden, dass mit der relativ kleinen Propellerfläche bei gegebenem Schub kleinere Massenströme bei höheren Strahlgeschwindigkeiten erreicht werden.


fs-28 avispa

Die fs-28 mit einem Druckpropeller von 1,7 m Durchmesser (2,27 m²) entwickelt bei 2.800 U/min und 115 PS einen Schub von 210 kp (2,1 kN). Die Leistungsdichte ist 37,3 kW/m².
Bei Druckpropellern wie im Falle der fs-28 avispa überwiegt üblicherweise der Vorteil der freien Luftabströmung hinter dem Propeller (kein Staudruckverlust an Anbauteilen hinter der Propellerebene) den Nachteil der turbulenten und mangelnden Luftzuführung vor dem Propeller (bedingt durch die Einwirkung des vor der Propellerebene liegenden Rumpfes). Ein Beispiel dafür liefert die Cessna C-337, die mit einem Zug- und einem Druckpropeller ausgestattet ist. Hier zeigt sich im Einmotorenflug eine Überlegenheit des Druckpropellers. So erzielt die C-337 im Einmotorenflug mit dem Druckpropeller eine Steigrate von 2,1 m/s, mit dem Zugpropeller 1,7 m/s. Auch die Adam A500 bestätigt die (allerdings nur geringfügige) Überlegenheit des Heckpropellers, der eine um 0,2 m/s bessere Steigleistung im Einmotorenflug liefert. Gleiches gilt für die im Einmotorenflug erzielbare Gipfelhöhe. Die fs-28 erreicht eine Schubausbeute von 24,9 N/kW.


Modellflug-Impeller

Für Impellerantriebe („Elektroimpeller“ von Modellflugzeugen, Ludwig Retzbach, Neckar-Verlag 1997) ergeben sich folgende Schubwerte (Blattanzahl N):

 A [m²]N Rotor N Stator P [W] n [U/min] vS [m/s] s0 [N] 
0,0019 115 23200 32,8 2,55 
0,0027 115 23000 30,4 3,00 
0,00293 212 31000 40,8 6,00 
0,00366 234 32200 37,5 6,40 
0,00328 472 22900 50,0 10,00 
0,00455 425 19400 45,2 11,60 
0,00496 386 24500 43,1 11,50 
0,00496 520 20600 44,2 12,10 
0,00473 536 19700 46,5 12,80 
0,0051 510 20900 44,7 12,75 
0,0095 935 17400 43,8 22,75 
0,0044 5,4 5,4 405,5 23165 41,7 10,10 


Dabei ist A die Ringfläche, die sich aus der Differenz der Gesamtfläche und der Nabenfläche ergibt. Die Leistungsangaben berücksichtigen bereits den Wirkungsgrad der Elektromotoren, der hier mit 0,85 angenommen wurde – entspricht also nicht all zu fern der dem Impeller zugeführten Leistung.
Die unterste Zeile gibt die zur weiteren Betrachtung ermittelten, arithmetischen Mittelwerte wieder. Es errechnet sich eine Leistungsdichte von 92 kW/m² sowie einen Schub von etwa 10 N bei 23.000 U/Min.
Dass der Impeller stark von den freien Propellern abweicht ist erklärbar mit den sehr verschiedenen Strahlstromgeschwindigkeiten. Dabei bedeutet ja eine hohe Strahlgeschwindigkeit bei gleicher Eingangsleistung einen vergleichsweise geringen Massendurchsatz und umgekehrt (Impulserhaltung). Die Bestimmung von Impellern für schnell fliegende Modellflugzeuge fordert eine hohe Strahlgeschwindigkeit im Gegensatz zu betont langsam fliegenden Slow-Flyern. Die Differenz des Faktors zwischen Impeller und Propeller ist somit schlüssig.

Modellflug-Antriebe können auf Grund der sehr abweichenden Skalierung (Reynoldszahl) nur begrenzt zum Vergleich mit großen Ausführungen heran gezogen werden. Daher ist es eher überraschend, dass der Faktor 25 N/kW des Impellers kaum von denen der manntragenden Propellerflugzeugen abweicht. Dies ist jedoch kein Indiz für eine Vergleichbarkeit mit Letzteren. Die Betrachtung der Modell-Propellerantriebe lässt den Impellerantrieb bei Berücksichtigung der ähnlichen Maßstabsverhältnisse auf den ersten Blick sehr schlecht aussehen, doch hierin spiegelt sich der extreme Unterschied der Leistungsdichte wieder.


Strahlturbine BMW 8025

In (Deutsche Triebwerke, Helmut Schubert, AVIATIC Verlag, 3., erweiterte Auflage 1999) ist angegeben, dass das erste deutsche Nachkriegstriebwerk 1958 in einem Motorsegler zu Einsatz kam. Es handelt sich dabei um eine Strahlturbine mit 300 N Schub. Sie entstammt der 65 kg schweren Arbeitsturbine BMW 6002 mit einer Leistung von 37 kW. Des weiteren kam 1962 das BMW6012 zu Einsatz, das als Wellentriebwerk 52 kW leistete und als Schubtriebwerk einen Schub von 440 N lieferte (bei 2,5 Bar und 0,5 kg/s Luftdurchsatz).
Das Beispiel der BMW 8025 und BMW 6012 ist nicht repräsentativ, da sich die Schubangabe nicht auf den von einem Propeller erzeugten Schub bezieht sondern direkt auf den Strahlschub der Einwellen-Turbine. Die Ermittlung eines Faktors in der hier gesuchten Form ist daher nicht möglich. Es ist jedoch interessant, die auf Grund der Leistungsangaben in Kilowatt ermittelten Faktoren, hier 8,16 N/kW und 8,46 N/kW, mit den Propellerschüben bzw. deren Faktoren zu vergleichen. Dabei wird deutlich, dass die Effizienz von Strahlantrieben im Standfall geringer ausfallen.


ZTL EJ-200 (Eurofighter)

Für die EJ-200-Triebwerke werden ein Trockenschub von 60 kN und ein Nachbrennerschub von 90 kN angegeben und diese Schübe 24.860 PS bzw. 37.290 PS gleichgestellt (FliegerRevue extra 5).

Mit einem errechneten Faktor von 4,46 N/kW für beide Schubwerte deutet der Fall des EJ-200 auf die gleiche Unvergleichlichkeit mit Propellerantrieben hin wie schon beim BMW-Triebwerk. Offensichtlich wurde in o.g. Quelle ein und derselbe Umrechnungsfaktor verwendet. Dieser könnte die Leistung repräsentieren, die der Kompressor erzeugt, also an einer Welle messbar wäre. Als solcher hat er eine realistische Größenordnung. Es wäre die Herkunft des Umrechnungsfaktors interessant. Sie deckt sich mit den Werten der Fans (s. oben genannte Beispiele), aber das EJ-200 mit einem Nebenstromverhältnis von 0,4 lässt keinen Vergleich mit einem Hoch-Bypass-Triebwerk zu.


F-35B Lightning

Die STOVL-Ausführung der F-35, die F-35B, lenkt die Heckdüse für die Vertikallandung um 90 Grad nach unten. Das Triebwerk entwickelt darin einen Schub von 79 kN (flugrevue, Ausg. 08/04), während der zur Balance notwendige Schub von einem zweistufigen Hubfan des Durchmessers 1,27 m hinter dem Cockpit und zwei an den Flügelspitzen austretenden Gasstrahlen erreicht wird. Letzterer entstammen aus der Zapfluft des F135 (F136) -Triebwerks und liefern einen Schub von je ca. 8 kN, während der Hubfan ebenfalls 79 kN erzeugt. In der Summe entspricht dies dem Gesamtschub des Triebwerkes von 176 kN. Die Energie für den Hubfan wird dem Triebwerk über eine Welle entnommen, für die eine Leistung von 21.315 kW angegeben ist. Nicht eindeutig ist beschrieben, ob sie diese Leistung bei dem erwähnten Schub überträgt oder lediglich für diese Leistung ausgelegt ist. Im Weiteren wird die Leistungsangabe dem Schub äquivalent gesetzt.
Der errechnete Faktor von 3,69 N/kW für das STOVL-Flugzeug F-35B fußt wie gesagt auf der Annahme, dass die angegebene Leistung tatsächlich bei gegebenem Schub übertragen wird. In dem Fall weist der Hubfan eine extrem geringe Schubausbeute aus der zur Verfügung stehenden Wellenleistung auf. Hier sind zwei Fakten zu sehen:
Zunächst ist der im Durchmesser 1,27 m betragende Hubfan mit dem in der ersten Stufe befindlichen 31 Blättern sehr kompromissbehaftet senkrecht in die für Überschall ausgelegte Zelle integriert. Damit sind die Luftein- und Auslässe aerodynamisch ungünstig gestaltet. Ferner ist der extrem kleine Querschnitt der Luftströmung zu betrachten, der sich aus dem gleichen Grund, eben der Unterbringung in eine kleine Zelle, ergibt. Hier stehen üblichen Propellern Leistungsdichten von mehr als dem 300-fachen gegenüber, was zu einer sehr geringen Effizienz führt. Bei einem geschätzten Querschnitt von 1,27 m² herrscht eine Leistungsdichte von entsprechend rund 16.780 kW/m². Soweit, was den Fan betrifft. Der Strömungsausgang scheint, soweit die Abbildungen in o.g. Literatur diesen Schluss zulassen, in einer Düse zu münden, deren Querschnitt noch kleiner ist als der des Fans (mit den entsprechenden Effekten: Luftdurchsatz reduzierend, Strömungsgeschwindigkeit steigernd).
Der hier vorliegende Fall hat ähnliche Dimensionen wie der von Turbofans, wie am folgenden Beispiel deutlich wird. Der maßgebliche Unterschied zu Propellern sind die Strahlgeschwindigkeit und der Massendurchsatz.


Verdichterarbeit eines Strahltriebwerkes

Die Verdichterarbeit eines Strahltriebwerkes kann ebenfalls zur Berechnung eines Schub-Leistungsfaktors herangezogen werden (Die Technik des modernen Verkehrsflugzeuges, Klaus Hünecke, Motorbuch-Verlag 1998), (Das Kampfflugzeug von heute, Klaus Hünecke, Motorbuch-Verlag 1989), (Flugzeugtriebwerke, Schesky/Kral, Rhombus-Verlag 2003). Generell ist die Verdichterleistung in kW bei gegebenem Verdichterwirkungsgrad hV

PV = mL × HV / hV  Gl.1.25

und der Verdichterarbeit HV

HV = cp × T2 × [(P3 / P2)(k -1)/k - 1]  Gl.1.26

cp spez. Wärme bei konst. Druck, Luft: 1.004 kJ/(kg×K) 
T2 Gastemperatur am Verdichtereintritt in K 
P3 / P2 Gesamtdruckverhältnis von Verdichteraus- zu Eintritt  
k Verhältnis der sogenannten spezifischen Wärmen (Luft = 1,4) 

(Technologie des Flugzeugs, Klaus Engmann, Leuchtturm-Verlag / LTV Press 2000) vereinfacht dies zu

                                                  

PV = mL / (hV× 1004,5 × 288 × (p0,4 – 1)) [W] Gl.1.27

 

288 K ISA-Standardtemperatur von 15 °C 
p Druckverhältnis allgemein 
1004,5  k × R / (k - 1)  
R Gaskonstante, 287 Nm/kg×K 

Bei Einwellentriebwerken (ETL) ließe sich zwar die Verdichterleistung in ein einfaches Verhältnis zum Schub setzen, da es nur einen Verdichter hat und das Gesamtverdichtungsverhältnis pges. meist bekannt ist. Dies führt jedoch nicht zu dem Ziel, die Schubausbeute einer Verdichterstufe stellvertretend für einen Propeller zu ermitteln. Vielmehr beinhaltet die errechnete Leistung maßgeblich die innere Leistung, die zur Aufrechterhaltung des ganzen Kreisprozesses erforderlich ist sowie auch alle Verluste, die nicht allein an der Verdichterstufe entstehen.

Anders ist dies bei modernen Zweiwellentriebwerken (ZTL) mit hohem Nebenstromverhältnis L, das nach aktuellem Stand bis zu 8 beträgt. Der Bläser, die erste Niederdruckverdichterstufe, erzeugt bis zu 80% des Gesamtschubes und arbeitet ähnlich einem Mantelstrompropeller. Propellerturbinenantriebe (PTL) können gar annähernd betrachtet werden wie ZTL mit einem Nebenstromverhältnis von 20. Um die Schubausbeute eines solchen Bläsers ermitteln zu können (und dem zu Folge dem Quotienten aus dem Verhältnis von S / P in N/kW), ist es notwendig, die Wellenleistung des Antriebes dafür zu kennen.

Es sind hier zwei Wege zur Berechnung der Bläserleistung am Beispiel des CF6-80C2-A1 (A300-600) aufgeführt:

Sstat. = 26.250 daN, pges. = 30,4,hV = 0,9 (angenommen), mLges. = 830 kg/s, mLI = 160 kg/s, dFan = 2,36 m, pFan = 1,73, L = 5,1                                                                                                                                                                                                                

1.Berechnungsweg:                                                                                                                                                                                          

Dabei wird In Gl.1.26 für P3  / P2 das Gesamtdruckverhältnis pges eingesetzt, so, wie dies bei ETL geschieht. In Gl.1.25 darf dann aber nur noch der Luftmassendurchsatz des Bläsers mLFan eingesetzt werden, der sich aus dem Nebenstromverhältnis ergibt:                                                                                                                                                                     

mLFan = mLges / L Gl.1.28

                                                                                                                                                                   

PV repräsentiert so nur noch die Leistung des Bläsers. Über die Verdichterarbeit HV erhält man                                                   

HV = cp × T2 × [(P3 / P2)(k-1)/k - 1] = 1,004 × 288 × [30,4(k-1)/k - 1] = 477  Gl.1.29

 

PV = mL × HV / hV = 830 × 470 / 0,9 = 440.000 kW

                                                                                                                                  

PVFan = PVges. × pFan / pges. = 440.000 × 1,73 / 30,4 = 25.000 kW                                                                                                           

2. Berechnungsweg:                                                                                                                                                                                   

Setzt man in Gl. 1.26 für P3 / P2 das Bläserdruckverhältnis von 1,73 ein, ergibt sich für HV  = 49. Wenn außerdem mLges. um den Primärstrom reduziert wird, also 830 / 5,1 = 830 kg/s – 160 hg/s = 670 kg/s, errechnet sich
 

PVFan = mLFan × HV / hV = 670 × 49 / 0,9 = 36.470 kW                                                                                                                               

Gemessen an der Summe aus innerer und äußerer Leistung, also des Gesamtumsatzes des Kreisprozesses von 440.000 kW sind die Unterschiede der beiden Ergebnisse relativ gering, zu groß jedoch für eine korrekte Beurteilung der Schuberzeugung des Fans.

(Dies sind zwei mir plausibel erscheinende Berechnungswege. Selbstverständlich sind mit konkreteren Ausgangsdaten exaktere Ergebnisse möglich. So werden hier für die klimatischen Bedingungen ISA-Standardwerte sowie gleiche Temperaturwerte für den Verdichterein- und austritt zu Grunde gelegt. Welcher der beiden Berechnungen realistischere Ergebnisse liefert, vermag ich daher nicht abzuschätzen.)

Gl. 1.4 verdeutlicht, dass der Schub das Produkt aus Gasdurchsatz mL und Austrittsgeschwindigkeit v2 ist. Der Gesamtschub des CF6 beträgt 262.500 N. Dieser teilt sich auf den primären und sekundären (inneren und äußeren) Strom auf. Nimmt man für den primären Strom eine Austrittsgeschwindigkeit von v2I = 420 m/s und den sekundären v2Fan = 290 m/s, so ergibt sich folgende Bilanz:

 

SI = mLI × v2I = 160 kg/s × 420 m/s = 67.200 N
 

SFan = mLFan × v2Fan = 670 kg/s × 290 m/s = 194.300 N
 

Sges. = 830 kg/s = 261.500 N                                                                                                                                                                      

Zur weiteren Betrachtung soll also wieder der Quotient aus dem Bläserschub SFan in N und seiner Leistung PVFan in kW gebildet werden.

 

Für die erste Rechnung ergibt sich SFan / PV = 19.4300 N / 25.000 kW = 7,77 N/kW

für die zweite Rechnung ergibt sich SFan / PV = 19.4300 N / 36.470 kW = 5,3 N/kW                                                                       

Beim CF6 lässt sich anhand der geringen Werte von 7,77 N/kW und 5,33 N/kW (im Vergleich zu 27,2 N/kW, wie für Propeller geltend gemacht wird) erahnen, dass hier ein entscheidender Faktor anders ist, als im Falle der Propeller: Die Austrittsgeschwindigkeit und damit auch wesentlich andere aerodynamischen Effekte an den Fan-Blättern. Dennoch ist der Wert näher an dem der Propeller als der des Hubtriebwerks der F-35B, etwa um soviel, wie die Leistungsdichte von 10.600 kW/m² bzw. 15.500 kW/m² geringer ist als die des Hub-Fans. Ein Fan innerhalb eines günstig ausgelegte Lufteinlaufs und mit größerem Durchmesser sind dafür als Grund zu sehen. Insofern kann der ermittelte Wert als plausibel gelten. Im Übrigen scheint sich grob abzuzeichnen, dass der gesuchte Faktor in N/kW einen dem Nebenstromverhältnis ähnlichen Zahlenwert besitzt (CF6 ~ 5, Propeller ~ 20) - eine interessante Eselsbrücke.                                                                                                                                                                                                               

 

Luftschiffantriebe                                                                                                                                                                                       

In („Leichter als Luft“, J.K. Bock, B. Knauer, Verlag Frankenschwelle 2003) werden freie Propeller Mantelpropellern gegenüber gestellt. Die im Folgenden aufgeführten Werte der Schubdichten T/A in kN/m² entstammen Untersuchungen in Bezug auf die Antriebswahl an Luftschiffen. Für jeden Propellertyp sind vier verschiedene Leistungsdichten untersucht worden.

 

freier Propeller v [m/s] 
25 kW/m²  50 kW/m² 100 kW/m² 150 kW/m² 
 T/A [kN/m²] 0,88 1,40 2,26 2,85 
 45 T/A [kN/m²] 0,45 0,80 1,45 2,00 
       
Mantelpropeller v [m/s]  50 kW/m² 100 kW/m² 200 kW/m² 300 kW/m² 
 T/A [kN/m²] 1,90 3,00 4,70 6,00 
 45 T/A [kN/m²] 0,75 1,50 2,75 3,75 

(Die Werte wurden einem Diagramm entnommen, unterliegen also geringen Ungenauigkeiten)

Wegen der besonderen Anforderungen an Luftschiffe, so z.B. die geringe Fahrgeschwindigkeit bis maximal 130 km/h und die Interferenzen des Schubstrahls am Luftschiffkörper heißt hier die primäre Forderung an den Antrieb: Hoher Luftdurchsatz (im Gegensatz zu hoher Strahlgeschwindigkeit) und somit langsam drehende Propeller mit großem Durchmesser. Die Vergleichbarkeit mit Flugzeugantrieben ist jedoch weitestgehend über die Reduzierung auf die Schubdichte in N/m² gegeben. Die Werte der Luftschiff-Untersuchung für die Fälle einer Leistungsdichte von 50 und 100 kW/m² sind im Diagramm zu sehen:


Für den freien Propeller wird auch hier eine Blattverstellung vorausgesetzt, jedoch nicht so beim Mantelpropeller. Der Grund dafür ist, dass Mantelpropeller kaum Änderungen im Leistungsbedarf bei verschiedenen Geschwindigkeiten aufweisen und somit keine Drehmomentanpassung benötigen. Gleiches zeigt sich auch bei den Impellern, bei denen die Blattverstellung nur zu geringen Schubänderungen führen.
Die steileren Geraden für den Mantelpropeller belegen, dass die Effizienz bei geringen Geschwindigkeiten, besonders beim Standschub, größer als beim freien Propeller ist, sich jedoch ab Geschwindigkeiten jenseits von 45 m/s das Blatt zu Gunsten des freien Propellers wendet. Eine Interpolation in Bereiche typischer Geschwindigkeiten von Flächenflugzeugen ist hier aber nicht angebracht, da die Untersuchung explizit für Luftschiffe entwickelte Propeller mit ihren Besonderheiten berücksichtigt. Im Weiteren soll also nur der Standschub betrachtet werden.
Der Schub bei v = 0 km/h und einer Leistungsdichte von 50 kW/m² bedeutet danach für einen freien Propeller mit der Kreisfläche von 2,92 m² (1,93 m Durchmesser) einen Schub von 4 kN, für einen Mantelpropeller 5,5 kN (Faktor 1,3 nach Dubs bestätigt). Bei der Geschwindigkeit von 45 m/s beträgt er für beide Propeller 2 kN. Letzterer Wert entspricht etwa dem Schub eines vergleichbaren Flugzeugpropellers, der auf eine Geschwindigkeit von annähernd 45 m/s ausgelegt ist – und nicht auf den oben zu Grunde gelegten Standfall. Die Schubausbeute im Einzelnen:

LuftschiffantriebLeistungsdichte Schubdichte 
freier Propeller 50 kW/m² 30,9 N/kW 
Mantelpropeller 50 kW/m² 41,5 N/kW 
freier Propeller 100 kW/m² 22,8 N/kW 
Mantelpropeller 100 kW/m² 31,0 N/kW 


Die Faktoren, denen die geringe Leistungsdichte von 50 kW/m² zu Grunde liegen, lassen wegen ihrer hohen Werte vermuten, dass Luftschiffantriebe recht kompromisslos auf geringste Geschwindigkeiten, d.h. annähernd auf den Standfall ausgelegt sein müssen. Tatsächlich sind die Schübe von Luftschiffantriebe höher bemessen als dies für den Reiseflug notwendig wäre. Vielmehr wird der größte Schubbedarf la bei Manövern, letztlich also zur Beschleunigung der Masse benötigt.                                                        

Miniatur-Propellerantriebe

In (FMT Extra, vth, Winter 2003) ist eine Messreihe für Miniatur-Propellerantriebe aufgeführt. Sie sind für die kleinsten und leichtesten Vertreter von Modellflugzeugen bestimmt, den Slow- und Parkflyern. Aus den 206 Messungen mit sieben verschiedenen Propellern ließen sich folgende Mittelwerte (Wertespanne) ableiten (Praxisfall 1):

el berücksichtigt die Verluste der elektrischen Anlage wie etwa Leitung, Regler und Motor.

hel = 0,59  
Pmech = 12,9 W – 52,6 W à 33,7 W 
= 3.150 min-1 – 7.100 min-1 à 5.040 min-1 
S0 = 1,4 N – 5,4 N à 3,5 N 
dProp. = 8“ – 11“ à 9,4“ 
Prop. Steigung = 3,8“ – 7“ à 5,2“ 

Eine weitere Messreihe (Praxisfall 2) sieht folgendermaßen aus:

Pel [W]  

hAntrieb  

Pmech [W]  

hProp  

n [min-1]  

S0 [N]  

vstrahl [m/s]  

dProp. [m]  

Steig.Prop. [m]  

41 0,69 28,3 0,47 5450 2,1 6,4 4,7 
60 0,69 41,4 0,47 6100 2,7 7,2 4,7 
85 0,68 57,8 0,47 6690 3,4 8,1 4,7 
61 0,64 39,0 0,55 4630 3,1 7,0 10 4,7 
78 0,63 49,1 0,55 5090 3,6 7,5 10 4,7 
107 0,62 66,3 0,48 5430 4,0 8,0 10 4,7 
62 0,61 37,8 0,55 4430 3,2 6,5 11 4,7 
90 0,60 54,0 0,52 4720 3,9 7,2 11 4,7 
104 0,59 61,4 0,53 4840 4,3 7,5 11 4,7 
Mittel 0,60 48,4 0,51 5264 3,4 7,3 10 4,7 
                                                                                                                                

Der Faktor der Modellflug-Antriebe kann auf Grund der sehr abweichenden Skalierung (Reynoldszahl) nur begrenzt zum Vergleich heran gezogen werden. Daher ist es eher überraschend, dass der Faktor 25,25 N/kW des Impellers kaum von denen der manntragenden Propellerflugzeugen abweicht. Dies ist jedoch kein Indiz für eine Vergleichbarkeit mit Letzteren. Die Betrachtung der Modell-Propellerantriebe lässt den Impellerantrieb bei Berücksichtigung der ähnlichen Maßstabsverhältnisse auf den ersten Blick sehr schlecht aussehen, doch hierin spiegelt sich der extreme Unterschied der Leistungsdichte wieder. Bei den Miniaturflugmodellen wird mit dem Faktor von 105,6 N/kW bzw. 70,2 N/kW das ganze Ausmaß der Maßstabsverschiebung deutlich. Es ist aus der Messreihe aber nicht ersichtlich, ob die angegebenen Drehzahlen der Auslegung der Propeller entsprechen. Dabei sollte die Profilierung der Propeller den geringen Reynoldszahlen Rechnung tragen, was dann bei ungeeigneter Drehzahl zu einem sehr geringen aerodynamische Wirkungsgrad führen würde. Im vorliegenden Fall liegt er bei etwa 0,32. Weitere Vergleichsmessdaten von Modellantrieben liegen leider nicht vor, sodass keine generelle Aussage zu Miniatur-Modellantrieben getroffen werden kann.

In diesen beiden Fällen ist aber die besonders geringe Leistungsdichte zu sehen. Sie entsteht dadurch, dass der Propellerdurchmesser im Verhältnis zur Antriebsleistung ausgesprochen groß ist. In Verbindung mit der für Modellantriebe ebenfalls sehr geringen Drehzahl von etwa 5.000 min-1 – übliche Modelle werden mit bis zu 20.000 min-1 und darüber betrieben – ist dies ein Zugeständnis an die besondere Miniaturisierung von Slow-Flyern, bei der ebenso wie für große Antriebe gilt, dass mit größer werdendem Durchmesser bei geringerer Drehzahl die Effizienz der Propellers zunimmt.

Paragleiter

Eine Auswahl (Flügel der Welt, der Index, 06/07) von „Rucksackmotoren“, wie sie Paragleiter tragen, liefern folgende Schubwerte:                                                                                                                                                                                                  

 P [kW] Schub  [kg]Prop.-Durchmesser [m]  
Adventure 17,6 70 1,3 2-Blatt 
Aitfer 19,1 85 1,3 2-Blatt 
Alsace Paramoteur 10,3 54 1,25 2-Blatt, E-Antrieb 
Bailey 22,1 56 1,3 2-Blatt 
Neura Jet 9,6 45 1,15 3-Blatt 
Mittel 15,7 62 1,26  

Für 21,4 PS (15,7 kW) und 62 kg (608 N) errechnet sich der Schubfaktor 38,7 N/kW. Er liegt in der Größenordnung der bisher betrachteten freien Propellern. Die Umbauung mit dem Schutzkäfig hat offensichtlich keinen wesentlichen Einfluss darauf. Es sollte vorrausgesetzt sein, dass der Schub frei, d.h. nicht auf einen Rücken montiert gemessen wurde.                                                                                                                 

Helikopter

Tragschrauben von Helikoptern müssen trotz ihrer Besonderheiten, vor Allem den Ausmaßen sowie etwa der zyklischen Steuerung, ebenfalls in den Vergleich einbezogen werden. Hier lässt sich aus wenigen Eckdaten recht genau der Schub ermitteln, weil im Falle des Schwebeflugs die Schubkraft mit der Gewichtskraft im Gleichgewicht steht, d.h. entsprechen muss. Der Schub, der mehr aufgewendet werden muss, um den Helikopter steigen zu lassen, muss hinzu addiert werden, um den Fall des Abhebens – und des Weitersteigens – in das richtige Verhältnis zu den meist üblicherweise vorliegenden Take-Off-Leistungsdaten zu setzen. Er wird wie folgt bestimmt:

Beispiel: Ein Helikopter wiegt 2835 kg (EC 135). Für die Standschwebe würde also ein Schub von 2.835 kg × 9,81 m/s² = 27.811 N benötigt (Verlustreiche Ausgleichsströmungen an den Spitzen der Rotorblättern seien hier unberücksichtigt).


Eine Steigrate mit der Beschleunigung von 1g würde bedeuten, dass der Helikopter mit jeder Sekunde weitere 9,81 m/s Steigrate gewänne, was nach wenigen Sekunden utopische Steigraten zur Folge hätte. Dazu müsste ein Schub von 27.811 N × 9,81 m/s² = 272,8 kN aufgebracht werden. Tatsächlich muss aber nicht das gesamte Gewicht ständig mit 1g beschleunigt werden. Wenn der Einfachheit halber der kurze Beschleunigungsvorgang unberücksichtigt bleibt, stellt sich auch im Steigflug ein Gleichgewicht ein. Die Steigrate Roc (Rate of Climb) des EC 135 beträgt bei o.g. Gewichtskraft 7,6 m/s. Nach folgender Formel wird sie erzielt mit einem Schub von

SSteig = SSchweb + (SSchweb × Roc) / g² = 27.811 + (27.811 × 7,6) / 9,81² = 30.007 N Gl.1.30

Einige Beispiele aktueller Helikoptertypen: Die Daten beziehen sich alle auf das angegebene Maximalgewicht ohne externe Fracht bei ISA-Bedingungen und auf Take-Off-Leistung:

 

MTOW [kg]

Pges. [kW]  

dRotor [m]  

Roc [m/s]  

max. hSchweb OGE [m]  

Leistungs-dichte  [kW/m²]  

SSchweb [N]  

Schub-faktor [N/kW]  

SSteig [N]  

Schub-faktor [N/kW]  

R-44 Rav. II 1134 180 10,03 5,0 1280 2,28 11124 61,8 11702 61,8 
EC120B 1715 376 10,00 5,8 2316 4,79 16824 44,7 17838 44,7 
AS350B3 2250 632 10,69 10,0 3415 7,03 22072 34,9 24366 32,3 
EC135 2835 936 10,20 7,6 2190 11,45 27811 29,7 30007 30,1 
EC155 4850 1394 12,60 5,9 11,18 47578 34,1 50495 34,1 
AS332L1 8600 2714 15,60 8,2 2300 14,20 84366 31,1 91555 31,1 
EC225 11000 3132 16,20 5,4 460 15,20 107910 34,5 113965 34,5 
CH-53D 19050 5772 22,02 11,1 1920 15,15 186881 32,4 208436 32,4 


Im Mittel errechnet sich für Helikopterrotoren ein Schubfaktor von 40,7 N/kW.


Der Schubverlust, der entsteht, weil der Rumpf der Luftströmung einen Widerstand entgegen setzt, wird hier vernachlässigt. Er liegt bei rund 6 % und wirkt bei Flugzeugen, verursacht durch Rumpf oder Motorgondel, in ähnlicher Größenordnung.
Die Helikoptertragschraube besteht aus Rotorblättern, dessen vier Stück des EC135 beispielsweise eine Fläche von etwa 5,8 m² aufweisen. Die Blätter besitzen leicht verschränkte Profile, um den Auftrieb der nach außen zunehmenden Anströmgeschwindigkeit auszugleichen, d.h., zu reduzieren. Die Profile haben eine Dicke und Tiefe, wie sie bei Flächenflugzeugen anzutreffen sind. Die Flächenbelastung liegt somit ihrer Anströmgeschwindigkeit gemäß auch um 500 kg/m², dem Wert eines Düsenflugzeuges.
Trotz dieser Andersartigkeit einer Helikoptertragschraube liegt der errechnete Schubfaktor mit 40,7 N/kW in der Größenordnung von Flugzeugpropellern. Da hier nur der Schwebefall betrachtet wird, ist er mit den Standschubverhältnissen eines Propellers vergleichbar und somit ist die Flächenbelastung wie beim Propeller auf die Kreisfläche zu beziehen, beim EC135 sind das 81,7 m².
Der Rotorwirkungsgrad beträgt etwa 70 %. Er ist geringer als bei einem verstellbaren Propeller - ein Kompromiss aus der zyklischen Steuerung. Aber auch der Wirkungsgrad bleibt bei der Betrachtung unberücksichtigt, da er nunmal ein elementarer Bestandteil eines Propellerantriebes ist und deshalb in den hier gesuchten Schubfaktor enthalten sein soll.
Der Wirkungsgrad des Getriebes müsste zumindest im Vergleich zu Kolbenmotorantrieben, welche Direktantrieb besitzen, Berücksichtigung finden, denn die Leistungsangaben von Turbinenantrieben weisen in der Regel die Leistung an der Turbinenwelle aus. Gegebenfalls müssten für das Getriebe Leistungsabzüge von 10 % - 15 % gemacht werden, um den Schubfaktor zu ermitteln.
Die Steigraten sind im senkrechten Steigflug, der hier betrachtet wird, in der Realität geringer als angegeben. Die Angaben stellen die Maximalwerte dar, die unter den aerodynamisch günstigeren Bedingungen eines Vorwärtsfluges von etwa 140 km/h ermittelt wurden. Besonders in der Standschwebe treten nämlich enorme Wirbelverluste zum Ausgleich des Staus unter und des Sogs über der Rotorfläche auf. Dabei trifft bereits ein- oder mehrmals nach unten beschleunigte Luftmassen im Ringwirbel erneut durch die Rotorfläche. Dieses „auf der Stelle treten“ bedeutet, dass in diesem Zustand mehr Leistung zum Erhalt einer Steigrate aufgewendet werden muss.
Zurück zur allgemeinen Betrachtung. Wird eine nur halb so große Steigleistung angenommen, sinkt der errechnete Schub um 4,5 %, der Schubfaktor um 3,2 % auf 39,4 N/kW. Wenn die max. Schwebeflughöhe für OGE (ohne Grundeffekt) mit Null angegeben ist, ist ein Abheben von z.B. einem Berggipfel gergleichen Höhe deshalb noch möglich, weil er sich dann ja im Bodeneffekt IGE befindet, was den Schub in Folge des Staueffektes erhöht. Sollte auch die Schwebeflughöhe für IGE Null betragen, so ist ein Abheben bis zu einer gewissen Grenze nur noch mit einem Rollvorgang möglich, wozu aber ein Fahrwerk benötigt wird.


Literaturangaben

1. In verschiedener Literatur („Flugzeugtriebwerke“, W.J.G. Bräunling, Springer-Verlag 2001)(„Flugzeugtriebwerke“, Schelky/Kral, Rhombus-Verlag Berlin 2003) wird zur Berechnung der Äquivalentleistung von einem Standschub von 15,7 N pro 1 kW Triebwerksleistung, also 15,7 N/kW ausgegangen:   

Päq = PGG + 1 kW / (15,7 N × FGG)

Andere Angaben setzen 4000 PS etwa 1600 kp bei hoher Reisegeschwindigkeit gleich, was dem Faktor 5,44 N/kW entspräche. Auch dies deckt sich etwa mit dem Wert der DO-228 bei 500 km/h (diese Geschwindigkeit erreicht sie jedoch nicht ganz: 370 km/h auf NN, 428 km/h auf 3050 m). Für die He-178 wurde in der Hoffnung, sein He 3S Triebwerk würde einen Standschub von 600 kp erzeugen können, bei einer Geschwindigkeit von 720 km/h ein Äquivalent von 1470 kW Motorleistung prognostiziert („Die Entwicklung der deutschen Jagdflugzeuge“, Rüdiger Kosin, Bernard & Graefe Verlag 1990), also 4,0 N/kW. Ferner wurde in v.g. Quelle berichtet, dass nach dem ersten Flug des Raketenflugzeuges Me 163, bei dem es den Geschwindigkeitsrekord von 1000 km/h einstellte, ein Vergleich mit Propellerflugzeugen gezogen wurde, um diesen Rekordflug zu würdigen. „Die Erzielung von 750 kp Schub bei 1000 km/h mit einem Propeller würde 2500 kW Wellenleistung erfordern, angenommen, ein Propellerwirkungsgrad von 80 Prozent wäre bei dieser Geschwindigkeit noch erzielbar“. Das entspräche dem Äquivalent von 2,94 N/kW. Diese mit zunehmender Geschwindigkeit abnehmenden Zahlen reihen sich trefflich in die Reihe ein, wie sie oben für die Do-228 aufgestellt ist.

2. Außerdem wird noch die experimentell gefundene Konstante K angegeben, mit der Propellerschübe geschätzt werden können. Danach sind üblicherweise in der Literatur folgende Schubfaktoren angegeben:

angloamerikanische Literatur 15,5 N/kW bis 15,8 N/kW
russische Literatur 15,0 N/kW

3. Quelle (www.erklaert.de, a320eng.html) gibt für Strahlantriebe das einfache Verhältnis PStat [PS] = S [kg] / 1,16 an und setzt 1 lb Schub etwa 1 PS × 0,6 gleich, also PStat [PS] = S [kg] / 1,33. Daraus errechnen sich die Faktoren 15,48 N/kW und 17,74 N/kW.

Der Wert 1,16 bedarf unter Berücksichtigung praktischer Erfahrungen für Propeller einer Anpassung. Hier müsste, soweit sei vorausgegriffen, ein Wert von etwa 2,0 eingesetzt werden. Für die DO-228 mit der Motorleistung von je 715 PS errechnet sich statt S = PStat × 1,16 = 715 × 1,16 = 830 kp ~ 8.300 N dann mit S = PStat × 2,0 = 715 × 2,0 = 1.430 kp ~ 14.300 N, woraus sich der wesentlich praxisnähere Faktor 27 N/kW errechnet, wie sich bestätigt hat.

1,16 ist eine experimentell gefundene Variable. Abweichend sind für die Äquivalent-Leistung Päq. folgende Umrechnungsgrößen und Beispiele angegeben, aus denen sich der Faktor 14,7 N/kW errechnet. (PW = Wellenleistung):

 

1 N = 0,068 kW = 0,093 PS oder 1 kp ~ 10 N = 0,68 kW = 0,93 PS
 

Beispiel:

 

Jet:         SStrahl = 500 kp: Päq. = 500 × 0,93 = 465 PS

PTL:       PW = 5.000 kW, zusätzl. SStrahl = 500 kp: Päq. = 5.000 + 0,68 × 500 = 5.340 kW

 

Der zusätzliche Reststrahlschub soll aber nicht weiter betrachtet werden.

Bei Großflugzeugen, bei denen die Propeller mindestens 4 Blätter besitzen, durchweg verstellbar sind und die mit Drehzahlen von z.T. deutlich weniger als 1.800 U/Min. (Tu-95M = 590 min-1!) betrieben werden, ergibt sich überschlägig folgendes Verhältnis:                                                                                                                                                                                  

Geringe Geschwindigkeit (250 km/h) 26 N/kW 
Mittlere Geschwindigkeit (600 km/h 18 N/kW 
Hohe Geschwindigkeit (900 km/h) 10 N/kW 

2.4 Übersicht, Zusammenfassung und Ergebnis

 

Zur einfachen Abschätzung des Standschubes soll hier ein allgemeingültiger Faktor eingeführt werden, der einfach durch Multiplikation mit der Motorleistung einen Wert für den zu erwartenden Standschub ergibt.

Folgend sind alle Praxis-Daten zusammengefasst. Mit der Luftdichte d  = 1,225 kg/m³ errechnen sich die Werte für die Strahlgeschwindigkeit v2 in m/s

 

v2 = Wurzel[S0 × 8 / (p ×× d)] Gl.:1.31

 

und dem Massenstrom ms in kg/s mit

 

ms = S0 / v2 Gl.:1.32

Praxis-Fälle  

P [kW]  

n  [min1]  

d [m]  

S0 [N]  

Leistungsdichte [kW/m²]  

v2  [m/s]  

ms  [kg/s]  

Schubdichte  [N/m²]  

Do 228 526 1560 2,70 14500 91,8 20,3 71,3 2532 
DA42 99 2300 1,87 2880 36,0 13,1 22,0 1961 
HK-36, L2400 66 3000 1,60 1530 32,8 35,2 43,5 761 
HK-36, 912A 59 2300 1,70 1630 26,0 34,2 47,7 718 
UL 27 1830 1,76 1500 11,1 30,5 45,5 572 
Fanliner 110 2900 1,10 3200 115 74,1 43,2 3368 
fs-28 85 2800 1,70 2100 37,3 12,3 17,1 925 
Modell-Impeller 0,421365 0,074 10,1 90,9 41,7 0,024 2348 
Modell-Prop. (1) 0,034  5040 0,238 3,5 0,75 3,6 0,1 78,7 
Modell-Prop. (2) 0,048 5264 0,254 3,4 0,95 3,34 0,104 67,1 
 Paragleiter15,7  1,26 608 12,6 28,2 21,6 488 
F-35B Hubfan (gerechnet) 21315  1,27 79000 16780 360 219 62363 
CF6 Fan (1), (geschätzt) 25000 ~3800 2,35 194300 10638 290 670 44797 
CF6 Fan (2), (geschätzt) 36470 ~3800 2,35 194300 15520 290 670 44797 
Helikopter 1892~350 13,42 68545 10,16 28,1 2439 154 

Die Faktoren für den Standfall sind hier noch einmal zusammengefasst.
 

Freie Propeller Do-228 (s. Tab., Praxisfall, v0, Verstellpropeller)27,6 N/kW 
 Do-228 (nach Gl. 1.4)27,2 N/kW 
 Do-228 (nach Gl. 1.6) 26,6 N/kW 
 DA42 TwinStar (Praxisfall, v0, Verstellpropeller) 29,1 N/kW 
 Fs-28 (Praxisfall, vopt., Festpropeller)  24,9 N/kW 
 Ultraleicht-Flugzeug 51,5 N/kW 
 HK-36 25,4 N/kW 
 Mittelwert freie Propeller 30,3 N/kW 
   
Mantelpropeller Fanliner (Praxisfall, vopt., Festpropeller)  29,1 N/kW 
 Modellflug-Impeller (Praxisfall, v0)  24,9 N/kW 
 Mittelwert Mantelpropeller 27,0 N/kW 
   
Strahltriebwerke BMW 8025 / 6012 8,16 N/kW 
 F-25B, Hubtriebwerk 3,69 N/kW 
 EJ-200 4,46 N/kW 
 CF6, Bläser (1) 7,76 N/kW 
 CF6, Bläser (2) 5,33 N/kW 
 Mittelwert Strahltriebwerke 5,88 N/kW 
   
Luftschiff freie Propeller, 50 kW/m² 30,9 N/kW 
 Mantelpropeller, 50 kW/m² 41,5 N/kW 
 freie Propeller, 100 kW/m² 22,8 N/kW 
 Mantelpropeller, 100 kW/m² 31,0 N/kW 
 Mittelwert Luftschiff 31,6 N/kW 
   
Miniatur-Propeller Miniaturflugmodell v0 (1) 106 N/kW 
 Miniaturflugmodell v0 (2) 70,3 N/kW 
 Mittelwert Miniatur-Propeller 87,9 N/kW 
   
Paragleiter Mittelwert von fünf Antrieben 38,7 N/kW 
   
Helikopter Mittelwert von acht Mustern 40,7 N/kW 
   
Literaturangaben ("Leichter als Luft", J.K. Bock, B. Knauer, Frankenschwelle 2003) 15,7 N/kW 
 (aerokurier 2/2004) 15,0 N/kW 
 (aerokurier 2/2004) 15,8 N/kW 
 ("Flugtriebwerke", Klaus Hünecke, Motorbuch-Verlag 1978) 15,5 N/kW 
 ("Flugtriebwerke", Klaus Hünecke, Motorbuch-Verlag 1978)  14,7 N/kW 
 (FMT Extra, vth, Winter 2003) 17,7 N/kW 
 Mittelwert der Quellenangabe 15,7 N/kW 

Es zeigt sich, dass der gesuchte Faktor eine Abhängigkeit von der Leistungsdichte besitzt. Zumindest für kleine bis mittlere Leistungsklassen lässt sich der Standschub, so wie es aus den oben gemachten Ausführungen hervor geht, nun mit einiger Näherung abschätzen:

S0 [N] »P [kW] × 23

S0 [N] »P [kW] × 32

Anmerkung: Alle bisherigen Angaben bezogen sich auf Bodenhöhe. Mit größer werdender Höhe nimmt die Luftdichte ab, wodurch die Schubentwicklung ebenfalls abnimmt – infolge der reduzierten aerodynamischen Wirksamkeit des Propellers und reduzierter Motorleistung. In geringem Maße reduziert auch eine zunehmende Luftfeuchte den Schub, da Luft mit Wasserdampf eine geringere Dichte und damit eine geringere Masse pro Volumen besitzt als trockne Luft. Und schließlich ist warme Luft leichter als kalte, was ebenfalls zur Reduzierung des Schubes besonders in Bodennähe führt. Ein Beispiel anhand eines ZTL-Triebwerks der Mjasischtschew M55-Geofiska verdeutlicht das: Schub am Boden je Triebwerk 93,77 kN Schub, in 21.000 m je Triebwerk 3,3 kN. Dass trotz höhenbedingten Schubverlust dennoch meist die höchsten Fluggeschwindigkeiten erreicht werden ist die Folge gleichzeitiger und überproportionaler Reduzierung der aerodynamischen Widerstände am Flugzeug in der entsprechenden Flughöhe.

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